Einer der Pendler

Bald sind es 12 Jahre, in denen ich zum Pendler geworden bin. Freiwillig. Ich hab immer gesagt, dass ich hier am pendeln soviel erlebe, dass ich Kapitel, ja sogar Bücher schreiben könnte… Dies war schliesslich auch der Grundidee dieses Blogs- heisst er nicht umsonst „Reisezug“.

Aber ich möchte kein Pendler-Buch oder keine Benimm-dich-du-Pendler Broschüre herausgeben, dafür bin ich sicher zehn Jahre zu spät. Gibt es schon. Und es wär mir auch zu langweilig, über böögende Bänker, fingernägelschneidende Ostschweizer oder Verspätungen/Umleitungen zu berichten- und glaubt mir, ich habe deren mehr erlebt, als mir lieb war. Ich habe in diese Zeit auch die enorme Zunahme der Pendler inklusive Fahrplanausbau erlebt. Eigentlich bin ich in diesem Bereich ein Fossil.

Es möchte niemand tauschen mit mir, es schauen alle so mitleidig, wenn ich mal wieder einen Tatsachenbericht vortrage, in welchem ich miterlebe, wie aus Pendlern Tiere werden, wenns um ihren Platz geht, oder der gesamte Waggon schnupft, schnieft, hustet und fiebrig dreinblickt..

Aber als Fossil nimmt man dies mit, und sagt sich: Oh, der Winter kommt, musst nen Schal mitnehmen morgen. Jahaa-morgen furze ich auf deinen Stammsitz, da habe ich mehr davon..

Man entwickelt seine eigene Art, gibt nicht zu, einer von der Masse zu sein, welchem unsere Bundesrätin rät, doch an den Arbeitsort zu traslokierern. Gaats na!!

Trotzdem gibt es immerwieder schöne Situationen, zum Beispiel sich in den Armen liegende Kollegen, welche sich fünfzehn Jahre nicht mehr sahen, sich ihre Spuren im Sand verliefen, und ich eine kleine Wiedersehens- Freudenträne im Gesicht sehe. Oder dass ich angesprochen werde, weil ich mal im Fernsehen in einer Sendung war-siehe „Best of“.

Klar habe ich manchmal den Anschiss.

Klar gehen mir die Pendler manchmal auf den Sack.

Klar ärgere ich mich um jede Minute Verspätung.
Aber irgendwie habe ich Angst, mit dem Pendeln aufzuhören. All den vertrauten Leuten- den Fossilen- nicht mehr zu begegnen. Den Neulingen zu zeigen, dass man schon lange pendelt. Keinen spannenden Geschichten mehr über den Steff-das Arsch! (Exfreund von Vivi, der Kettenraucherin aus Birmensdorf, Anm. der Red.) zu erfahren. Und den Jahreszeiten, welche am Fenster vorbeiziehen. Sich chauffieren lassen, ein Buch zu ipaden, einen Blogbericht zu posten.

Sobald ich nicht mehr positive Punkte dem Pendeln abringen kann und das Negative überhand nimmt, dann, ja dann höre ich auf zu pendeln. Allerallerspätenstens in 23 Jahren, sofern…. ach was! Ich geniesse es. Jetzt. Wer weiss den schon, was morgen – Gopfertami- jetzt staat die schiis S5 scho wider 7 Minuute und niemert git Bscheid, wies wiitergaad!! Taminamal.

Täglich

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