Morgens um sieben

Langsam erwacht der Tag, der Pendler freut sich, weil er in der S-Bahn sich einen Platz aussuchen (!) kann. Irgendwie ist die Zeit, jetzt kurz vor Weihnachten recht friedlich hier. Das Geschubse und Gedränge fehlt (aber fehlt nicht), man lässt Leute aussteigen, bevor man einsteigt. Und das am Puls, am Megahub, am Zürich HB. Irgendwie schön.

Viele Leute haben schon Ferien und stossen und schubsen weit weg von hier sich und ihre quengelnden Kinder in den Einkaufswagen im Einkaufszentrum rum (verschärft dazu kommt  ja noch der Weihnachtsfeier-Stressfaktor) oder drängeln sich im topmodernen Skianzug in den Wintersportorten rum und tun so, als wären sie schon megalange hier, respektiv da.

Ich habe tatsächlich gestern den ersten skiausgerüsteten Herrn in der S-Bahn getroffen- wohin der Mann wollte, weis ich nicht, jedoch liegt die Schneefallgrenze aktuell auf 1’600 Meter über Meer. Und hier bewegen wir uns zwischen 400 und 500 Meter über dem Meer. Geregnet (oder halt eben über 1’600 MüM geschneit) hats seit Wochen schon nicht mehr. Ein jetzt schneesicheres Gebiet ist über 100 Kilometer entfernt…

Aber lassen wir den gelb-grünen Mann mit bunten Skiern, glänzenden Skischuhen, rotem Helm, marmorierten Stöcken in seinem bunten Outfitt- hoffen wir, er konnte ein paar Schwünge im Schnee machen, und musste nicht abends die Kanten schleifen und den Ski nachwachsen lassen.

Gönnen wir ihm das.

Mittlerweile ist es Abend- ich pendle nach Hause. Wieder ist da die schöne Stimmung, es geht alles ein bisschen anständiger, ruhiger. Cool.

Reibt ihr mir doch nur unter die Nase, nächste Woche nach z.B. Davos zu jetten, und dort zu geniessen.

Ja, es ist schön in Davos.

Ja, man kann da gut entspannen.

Ja, da ists schön.

Aber das tun tausende andere Menschen auch. Zur gleichen Zeit. Am gleichen Ort.

Wahnsinnig entspannend.

Wahnsinnig schön.

Wahnsinnig überteuert.

Ich will beileibe nicht explizit Davos und seine Feriengäste anprangern- es ist nur eine Destination unter vielen. Und hier als Beispiel gedacht.

Weil wir ja anfangs Monat bei adäquatem Publikumsaufkommen wunderschöne Tage in Prag verbrachten, arbeiten wir zwischen Weihnachten und Neujahr. Und finden das nicht schlimm. Mit dem Geld, welches über die Tage überteuert in den Feriendestinationen bezahlt werden muss, könnten wir in der Nebensaison die doppelte – oder dreifache Zeit am selben Ort im selben Hotel für die gleiche Leistung verweilen. Ausser dass die Leute dann freundlicher wären.

Und zudem freue ich mich, nächste Woche ein Zugabteil mal ganz für mich zu haben. Als Ausgleich für die rotzende, furzende, seuchende, würgende, nasenböögunterdemsitzverteilende, drängelde Zeit, welche wieder zwangsläufig sich einfinden wird.

Aaaaaaaaaaaaah!!

Täglich

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