Freilichtmuseum Ballenberg 

Es gibt zwei Arten von Schweizern: Die Einen, welche sagen: „Aaahja im Ballenberg, da war ich schon lang nicht mehr, als Kind war das schono lässig!“ Und die Andern, welche erwidern: „Öh, das ist doch das Museum mit den alten, staubigen Häusern, nei, da war ich noch nie, und was soll ich denn da?“

Und da gibts noch uns: Seit über zehn Jahren gehen wir mindestens einmal jährlich dahin. Der Häuserpark ist mittlerweile auf über 100 stattliche Gebäude angewachsen. Und fast alle standen an einem anderen Ort in der ganzen Schweiz verteilt. Es wurden die teilweise einsturzgefärdeten Objekte Stein für Stein, Balken für Balken säuberlich markiert, sorgfältig abgebaut und ebenda auf dem Ballenberg wieder instand gesetzt und aufgestellt. Genial.

Die Idee, 1978 ein Freilichtmuseum mit Brauchtumspflege zu eröffnen ist nicht neu, keine Schweizer Erfindung und weltweit gibt es etliche davon. 

Uns fasziniert die verschiedensten alten Bau-/ und Handwerke, welche heute gar nicht mehr rentabel betrieben werden können, und drum auch nicht mehr in unserem Alltag Platz finden. Wie man im Jura lebte, im Tessin, der Bündner Herrschaft. Wie man Kohle herstellt, mit Wasserkraft eine Schreinerei antreibt, wie man mit Birkenasche wäscht, oder das „Gurli fiegget“, alles, und noch viel mehr wird einem da recht realistisch oberhalb von Brienz gezeigt. Viele Sachen gibts zu begucken, denn die Häuser sind offen und laden zur Besichtigung ein. Da wird geschnitzt, gewoben, gegärtnert, geschmiedet, gebacken, geklöppelt, gemahlen, gezimmert, getöpfert, gelandwirtschaftet, gekäst, gezeigt, wie noch vor hundert Jahren der Alltag in unserem Land ablief. Manchmal stehe ich ganz gespannt am Chäsikessel, oder in der Seidenraupenplantage, guck mit tränigen Augen in der Räucherkammer zu den Würsten hinauf, oder bewundere die Drogerie mit der Vielfalt an Kräutern.

Hier hats für jeden, der gerne neugierig durchs Leben geht was, das Personal des Ballenbergs ist gut auf Authentizität geschult, und gibt bereitwillig Auskunft. Neben einigen Häusern hat es gemütliche Grillstellen, eine tolle Sache. Für Grillierfaule hats drei Restaurants und eine Osteria. 

Apropos Restaurant: Sehr speziell auch die Story des Restaurants Degen aus Hünenberg. Dieses für diese Gegend sehr typische Schindelhaus wurde anscheinend vom luzernischen schon mal zerlegt, und nach dem Brand seines Vorgängers an dessen Platz als Beiz in Hünenberg aufgestellt. Das Versetzen ganzer Häuser war damals nicht unüblich, weil es günstiger als ein Neubau war. Ich weis von einem Haus auch in Hünenberg, an herrlicher Lage mit schöner Sicht auf den See, welches als Restaurant Spillman in der Vorstadt von der Stadt Zug stand, und nach dem Versinken der vordersten Gasse der Vorstadt 1888 gezügelt werden musste, um die Bodenbelastung zu minimieren.

So wurde auf dem Degen weitergewirtet, bis man sich in den ’80er für einen Neubau entschied. Dazu wurde das Haus (bei Vollbetrieb!) über die Strasse geschoben und hielt so seine Bewirtung aufrecht. Der Neubau löste das alte wunderschöne rote Haus ab, der alte Degen konnte wieder zerlegt werden. Und steht heute zentral als Restaurant im Ballenberg. Hier kann die Geschichte nachgelesen werden.

Den Ballenberg in einem Tag abzuklappern, ist möglich. Aber schad. Wir legen uns jeweils fest, ob „West“ oder „Ost“, und haben so mehr Zeit für die einzelnen Gebäude, denn es erzählt jedes seine eigene spannende Geschichte. Der Eintritt ist nicht wirklich günstig, aber gerechtfertigt. Für das was hier unterhalten wird, sehr fair. Durch das wir dank der Bank einen Museumspass haben, und diese nun allig unseren Eintritt zahlt (jaaawoll!), können wir hier gratis rein. 

Jedes Mal sind wir gespannt, was es Neues gibt. Sehen Gebäude im Bau und dann ein paar Jahre drauf fertig und beguckbar. Schon gewaltig, wie unser Land buchstäblich beackert werden musste, um zu überleben. Teilweise unvorstellbar, wir unsere Vorfahren gelebt haben. 

Ich hatte das Glück, ländlich aufgewachsen gewesen zu sein, die Milch kam noch via Milchchessi von der Kuh. Und nicht aus der Kühltheke des Supermarkts. Auch ich wusste, was es heisst, das ganze Haus mit Holz über einen Chachelofen und einen Herd zu heizen. Kenne die Gattung der Eisblumen an den Vorfenstern. Oder was ne Chnebuschissi ist. Aber ich denke, in zwei drei Generationen, werden die Kinder ungläubig das Loch im Holzanbau vor dem Haus angucken, und sich fragen, wie um alles in der Welt man hier aufs Klo gehen kann.

Unser Vorteil -da wir quasi als Stammgäste gelten- ist, dass wir uns bewusst ein Haus genauer anschauen können, wir müssen ja nicht alles auf einmal begucken. und gehen da etappenweise vor.

Und meist gehen wir mit Verwandten, Bekannten, gerne auch mit Kind und Kegel. Das macht nämlich auch wirklich Spass.

Dieses mal war es sooo friedlich. Der Wetterbericht hatte lokale Regenfälle vorausgesagt. Es war grad knapp warm, und eher Anfang Saison. So waren wir ziemlich alleine- es hatte teilweise mehr Personal wie Besucher- voll friedlich. Es blieb trocken den ganzen Tag- wir grillen friedlich und geniessen.

Mit einem glücklichen Gefühl gehts gegen Abend gemütlich wieder heimwärts. 

Nächstes Mal wieder „West“. Glaub. 

Wer weis? 

Magst DU uns begleiten??

Angeguckt

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