Da braut sich was zusammen

Ich finde, es ist in der Schweiz sehr schwierig Bier zu finden, was mir gut schmeckt. Meist ist es (75%) Lagerbier, und blöd langweilig. Wenn ich da so an Deutschland, Frankreich oder Belgien denke, sind wir biermässig noch weit in der Vorkrabbelgruppe. Des Weiteren ist es halt auch so, dass zwei marktbeherrschende Konzerne aus dem Ausland auch hierzulande unser Bier brauen. Es gibt zwar in der Nähe eine für schweizer Verhältnisse mittelgrosse Brauerei, welche erfolgreich und innovativ sich vermarktet- ist an jeder Bierverlochete als Sponsor dabei. Ich mags euch gönnen, wenn ihr das Bier mögt, aber sorry Leute, mir ist’s wirklich echt zu bitter. So schmeckt mir meine Heimat nicht…

Ich mag auch nicht Literweise schütten, oder bis zum Besauffen den Alkohol raufpegeln, ein Pony reicht mir da völlig. Da die Auswahl aus eben genannten Gründen recht lau ist, lass ich es mit Biertrinken. Ist ja such nicht schlimm. Muss ja nicht sein. Fehlt nix, macht nix.

Auch wetterte ich schon früher hier mal über die Home Made Bierbraukurse, welche wie Hefepilze die letzten Jahre aus dem Boden geschossen sind, und sich ein jeder nun plötzlich Braumeister nennen will. Und mit seiner Pfütze nun sein näheres und weiteres Umfeld nervt.

Das kannst mit Sirup machen. Aber nicht mit Bier.

Szenenwechsel.

Wir haben das Glück, ein noch in seinen Grundzügen belassenenes Restaurant in der Nähe zu haben, kein Schickimicki-vom Stardesigner zu Tode verdrischaaggete In-Location. Influenzer sind eine Krankheit, und Yuppies ist’s hier zu urban. Hier, unter alten Kastanienbäumen, wo sich ehemals Bus und Auto über die einspurige Zollbrücke quälten, um dann an der Scharise nochmals 15 Minuten zu vertödeln. Wo die Kolonne bis zur Gass reichte (Hmm- Wir sind heute bald wieder soweit, wahnsinn, wie sich der Verkehr verdichtet!). Ja hier, abseits von Lärm und Gestank ists herrlich, gemütlich und irgendwie heimelig.

Hier genau hier ist seit dem Neubau der Reusbrücke und der Umfahrung ein richtig paradiesisches und lauschiges Plätzchen entstanden. Gemütlich und ohne Chichy. Denn Chichy ist eine Ortschaft im Burgund.

Hier siehts noch aus wie vor 30 Jahren, ein schönes Gefühl.

Und eben hier- um beim Thema zu bleiben- genau hier entdecke ich an einem Sommerabend das Einhornbräu.

Der Beizer, sehr umtriebig und sympathisch hat hier im 2009 begonnen, eine Brauerei aufzuziehen. Erst in der Beiz, dann in einer alten Käserei. Und erst vor kurzem ging er an die Öffentlichkeit, aber erst als das Resultat des Brauens ihn auch überzeugt hat.

Ich muss sagen, uuhja schmöckt mir fein, nicht bitter, fast erstaunt es mich. So nehmen wir gerne, wenn wir-auch gerne mit Velo- hier rasten, es Böckli/es Eichefrässer/es Chlösterli/es Hünenberger/oder es Brogge Weize, aus heimischer Produktion.

Und chochen tun sie da au fein im Fall.

Gut, sagst du, gut. Und danke für den Tip, geh ich vielleicht auch mal. Ist der Bericht nun fertig?

Hahaaa! Nein, nein! Ich muss doch noch vom zweiten Teil berichten, der sich nun daraus ergeben hat.

Aus einer Bieridee zwischen einer ehemaligen Arbeitskollegin und lieber Freundin und mir ging ich an die Kandare, als es heisst: Du, wir könnten/sollten mal wieder was zusammen anstellen. Da kam äben das Bier zur Idee: Einhorn Bräu bietet Brauseminare an!

Wie geil isch das denn??!!

Schnell war die Idee geboren, und wir waren schwupps zu sieben. Die sieben Zwerge, hihi. Es wurde noch märlihafter, ich sag nur Bierhexe, hihihi.

Flugs das Anmeldenformular ausgefüllt und das Programm studiert. Passt.

Mit dem Gruppenchat die Zügel chli in der Hand gehalten, bis wir alle pünktlich am vereinbartem Termin vor der alten Käserei in der Stadelmatt stehen, da wo wir seminaren heute.

Der Besitzer und sein Braumeister haben uns freundlichst begrüsst- schon wurden Schüüben verteilt. Wir wurden souverän durch Theorieblöcke, praktische Arbeiten und kulinarische Breaks geführt, es war allerlei sehr intressantes und wissenswertes über Bier dabei und wir haben uuh viel über sein Umfeld gelernt.

Wir haben sogar unser eigenes Bier herstellen dürfen. Vom klaren Quellwasser, Schroten, bis zum Aufkochen, Beigeben von Hopfen und Abfüllen in den Tank waren wir dabei.

Viel zu schnell geht der Tag vorbei, plötzlich stehen wir nudelfertig aber häppy vor dem Eingang. In 5 Wochen können wir unser Bier in Flaschen abholen, wir sind sehr gespannt, wie dann unser Bier schmecken wird.

Auch chli stolz sind wir alle, dass wir den Beiden über die Schulter gucken durften. Und selber Hand anlegen. Mit viel Fachwissen und Herzblut haben uns die zwei durch den Tag geführt, wir standen bei dichtem Nebel in der Braustube, haben viel über Formeln, Berechnungen und viel Handwerkliches gelernt. Es hat enorm Spass gemacht, und die zwei schafften es ohne Mühe, uns anfangs zögerlichen Grünschnäbeln den Ärmel hochkrempeln zu lassen, wenn angepackt werden soll. Nebenbei kocht der Besitzer uns das Znüni, das Zmittag und präpariert das Dessert. Und führt souverän durch das Seminar. Während seinen Theorieblöcken, welche er anhand einiger Bilder auf dem Beamer erklärt, bereitet sein Braumeister die nächsten Schritte des praktischen Teils vor. Die zwei arbeiten Hand in Hand, es ist sehr interessant. Perfektes Teamwork.

Der Spass kam auch nicht zu kurz, als es um den Namen seines neu kreiertem Frauen-Sommerbier geht. Wir sind gespannt, ob unsere Vorschläge wie Einparkhilfe, Mumubier oder Sissibier vielleicht auf den gut gestalteten Etiketten erscheinen. Wir dürfen gespannt sein.

In fünf Wochen sicher mal auf unser erstes selbst gebrautes Bier.

Und bis im Sommer ist eventuell die Terrasse in der Stadelmatt fertig? Da gibts feins Bier. Vielleicht auch das noch namenlose Sommerbier.

Oder sonst ganz sicher wieder mal sind wir auf Besuch im Zollhuus.

Prost.

Coole Sache

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