Flashback à gogo

Irgendwie schmeisst mir das alles über den Haufen. Ich kann’s nicht einordnen, bin chli ratlos. Weis nicht, ob ich lächeln oder lachen soll- Aber ich muss sagen: Einmalig wars…

Hmm-Eigentlich hätte ich für diese Woche an dieser Stelle ein Rätsel geplant, mit Allem und so.

Glaub.

Aber dies muss ich auf später verschieben- Zu sehr wühlt mich der vergangene Samstag Abend auf. Ich muss das Erlebte irgendwie hier verarbeiten…

Also, ich probiers: Angefangen hat’s mit einer Einladung- Wir sollen an eine Turnerunterhaltung, sagen wir ins Hinterthurgau, es könnt durchaus auch Obertupfingen/Zwischendörflikon/also anywhere in Switzerland sein. Zwei Kleinkinder geben da ihr Bestes und turnen uns was vor. Die Eltern der Beiden sind stolz auf die Zwei, und laden dazu zur gemütlichen Runde in die Dorfturnhalle.

Wir und Turnerchränzli… Uff. Man stellt sich drunter doch eine alte muffige Turnhalle vor, wo auf der Bühne mehrere kurlige Gerätschaften- Bauschenpferd, Reckstangen, Trampolin, etc. stehen. Und kecke Mannen und Frauen, welche harmonisch Turnvorstellungsübungen zeigen. Magnesiumstaub, Schweiss und Polyesterkleider.

Hmm, hat mir da die Erinnerung an meine Schulzeit was aus der Versenkung geholt? Ist sicher heut‘ ganz anders- sind 30 Jahre her- wird heut sicher zeitgemäss sein.

Gut- wir sitzen an langen Tischen auf Schulzimmerstühlen, der Tisch ist mit einem Papierset gedeckt, welches den Verein auf verschiedenen Gruppenfotos zeigt.

Im Geräteraum zwischen Turnmatten und Medizinbällen wird gekocht, Braten Kartoffelstock und Rüebli. Mit wunderschönem Saucenseeli.

Das war damit bereits schon der 3. Flashback an diesem Abend.

Den Ersten gabs beim Betreten der Turnhalle, „So!“ könnt ich meinen fiktiven Enkelkindern sagen, „So hat euer Grossdädi früher turnen müssen, die Ringe, die Sprossenwand- und wo sind die Kletterstangen aus Metall, die man schräg stellen kann?“ Ich bin voll zurück in meiner eigenen Zeit als 10-Jähriger, es hinterlässt mir hier echt ein kurliges Gefühl.

Den zweiten Flashback gabs beim Anblick der Tenues der Turner: Sind wir bäck to the 80ties? Oder machen die auf Revival? Nein, die groislich bunten synthetischen Dresses sind so, Hier kennt man kein Vintage, höchstens Vin.

Aha. Nun gut.

Die Vorführung beginnt, die Kleinsten sind megahärzig, auch die zwei Kinder wegen denen wir da sind machen gut mit. Fantasievoll, werden Muki und Jugendriege gezeigt.

Momol, nid schlächt.

Bin gespannt was die „Grossen“ zeigen.

Oh- Und da war Flashback Nummer vier:

Barrenturnen! Wie zu Schulzeiten wird geschwungen, in Augenkrebs verursachenden schröcklich bunten Polyestertrainern. Mit den selben Übungen, welche wir damals auch machten: Schwingen, hochziehen, auf einen Holmen sitzen, rechtes Bein gestreckt, linkes Bein angewinkelt mit dem Fuss aufs rechte Schienbein- Brust raus.

Äh. Ja.

Durch die strickte Trennung von Frauen (links) und Männern (rechts) entstehen immer wieder ungewollt recht homoerotische Bilder, welche angestrengt und mit verbissenem Ernst missachtet werden. Mir wirft das ein Lächeln auf die Lippen.

Oder wie soll ich das werten, wenn zwei Frauen sich mit gespreizten Beinen gegenüber auf dem Barren sitzen, sich dann einander zwischen die Beine den Holmen greifen, und sich übereinander schwingen? Aber da denke ich sicher wieder zu weit. Denn die Moderation von Lassmiranda Densiwillja und Rammsi Hartmann (Den Namen haben sicher Männer gegeben…) zeigt mir, dass da echt die Zeit stillgestanden ist. Und nix mit Erotik oder verstecktem feinen Humor zu tun hat. Tumbes Schenkelklopfen, derbe einfache Sprüche, dies und jenseits der Gürtellinie – Nichts was Hirnzellen abartig beanspruchen soll.

Das Publikum macht mit. Die Halle tobt (?!), es wird Zugabe geschrien wie an einem Konzert der Back Street Boys –>Flashback! Wo bin ich nur gelandet? Wann fliegen Plüschbärchen/ Rote Spitzentangas?

So wird nach dem tosenden Applaus die gesamte (!) Darbietung der Männer 1 und Männer und Frauen wiederholt- Ha, ist ja wie bei den Teletubbies, die zeigen ja auch jeden Beitrag zweimal hintereinander… Wobei die Vorführung der Männer 1- Im Dunkeln mit LED- Lichtern als hüpfende Strichmännchen auf ihren Trainern (das ist doch saumässig heiss!!) noch witzig gemacht ist, stürze ich bereits ins x-te Zeitfenster. Denn zum Lied „Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund“ von Nicole schwingt ein weiterer Turner winkend hin und her über der Bühne… Yaps! Und die eben nicht homoerotische Zurschaustellung am Barren… puuh!

Und das in der Wiederholschleife! YapsYaps!

Zeit für Kaffee und Kuchen- Die Kuchen sind fein und von Turnermamis grosszügigst selbstgemacht, gigantisch gross.

Nun kam der gemütliche Teil, es wird ein Laientheater gezeigt, welches auch von Mitgliedern des Turnvereins gespielt wird. Ein unterhaltsames, herrlich einfaches Stück- also hier hätt ICH gerne eine Zugabe gesehen. Aber die Groopies von der Turnveranstaltung sind bereits nach Hause gegangen… So sitzen wir noch gmüetli beieinander, füllen noch die Lööslinieten mit unseren Namen aus- Weil da gibts um Mitternacht noch eine Nietenverlosung. Mit einem Kilo Zopfmehl und einem zu kurzem Ledergurt verlassen wir zufrieden die Halle und machen uns auf den Heimweg.

Eigentlich hats mir gefallen, es war unterhaltsam.

Eigentlich hat mich die Hauptattraktion, das Vorzeigen der Turnübungen der Erwachsenen grüslig enttäuscht.

Eigentlich habe ich eine enorme Überdosis Flashback’s.

Flashback: Zuviel des Guten.

Flashback: Viel zu viel.

Flashback: Echtetz.

Freizeit

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