Giornico

Und wieder mal möchte ich dir ein Perleli der Schweiz zeigen, ein wunderschönes Fleckli, welches sich lohnt,

innezuhalten.

Wir sind unterwegs nach Tenero, dem Inbegriff Schweizer Campings. Was Santiago de Compostela für den Jakobswanderer, was die Great Barrier Riffs in Australien für Korallentaucher, was München für Biertrinker, das ist Tenero für Schweizer Campingferienmachende. Am Ufer des Lago Maggiore liegen eine Handvoll Campingplätze, welche in der Hochsaison durchaus zum grösseren Ort mutieren, und den umliegenden Baumärkten und Lebensmittelcenter zu kräftigen Umsätzen verhelfen.

Idyllisch gelegen, mit Sicht auf den See, Locarno, das imposante Maggiadelta und den hohen umliegenden Bergen. Auf den Plätzen kriegt man alles, was man auch zuhause in den Konsumtempeln kriegt, hat die gleiche Währung wie zuhause und man spricht deutsch.

Welch Wonne!

Auf fix zugewiesene knappe Quadratmeter (Reservierung erst ab einer Woche möglich) verteilt so der Ferienmachende sein Hab und Gut- sprich Auto-Wohnwagen-Grill-StandupPaddel.

Im Auf-klapp-Modus.

Viele der Camper sind jedes Jahr hier. Am gleichen Platz, neben dem gleichen Nachbarn. Erstaunlich, weil im Winter sind die Campingplätze hier zu- Es muss geräumt werden.

Hierhin kommen auch regelmässig meine Schwägerin inklusive Familie mit zwei Kindern. Für Kinder ist es eh paradiesisch- Können sie sich so richtig auf dem Trampolin (8.- für 10 Minuten) austoben, und der nahe See lädt zum Bad. Auch sonst bietet der Camping viel Unterhaltung, die Anlage ist sehr gepflegt.

Wir machen drum einen vergnüglichen Ausflug zum Campingplatz, Besuch bei lieben Verwandten.

Die Fahrt ins Tessin ist dann immer von Gemütlichkeit und Zwischenstops geprägt, wir gondeln gemütlich gen Süden, und haben gerne statt der üblichen Reisedauer von zirka zwei Stunden halt fünf bis sechs.

Wen kümmert’s- wir geniessen’s!

Unser erster Halt diesmal war in Airolo- der Besuch der Schaukäserei war angesagt. Wir haben extra unsere Grand Tour Box mitgenommen, die wir letztes Jahr in Wildhaus aquirierten. Zum Füllen mit feinen Sachen- denn diese Box kannst immer wieder auffüllen, eine lässige Sache!

Im Laden wusste jedoch niemand von der Grand Tour Box- das sei ein Fehler des Veranstalters, ihre Adresse reinzutun. Schad, grad so ein Laden mit der grossen Auswahl an Fleisch und Käse und allerlei Lokales- da wärs doch ein Klacks für 20.- die Blechbox zu füllen. Henu schad- wir chrömlen trotzdem und tun’s in die Box.

Ich halte nach der nächsten „Füllstation“ Aussschau, denn ich hätte gerne wieder eine volle Box. Und siehe da, chli weiter die Leventina zderab -in Lavorgo die Albergo Defanti– da werden wir freundlich empfangen. Eine Bar, ein Sääli, und ein hübsches Gartenrestaurant. Genau unser Gusto. Alles im original 60er Jahre Look. Ein Gioiello- ein Diamant, so Abseits der heutigen Hauptverkehrsadern. Und trotzdem zentral. Kannst nicht verfehlen. Hat Parkplätze und Tankstelle und Lebensmittelladen am Haus.

Der Gerant nimmt uns die Box ab, wir erklären, weshalb wir hier sind. Er deutet, dass wir ihm doch „cinque minuti“ geben sollen, er würde uns die Box gerne füllen.

So sitzen wir mit einer Gazosa aus Faido unter Platanen, hören einer Berner Oberländerin zu, welche schiinz chürzlich die Prüfung zur Fachfrau Gesundheit absolviert hat, und mit den Apparaturen der Lingerie so ihre liebe Mühe hatte.

Wir beide schmunzeln.

Der Besitzer kommt mit einer gefüllten Box und erklärt den Inhalt. Käse von der Alp, Salamettli und Brot vom Ort. Dann hatts noch feine Biscotti, eine Schorle und ein Mineralwasser sowie zwei Bananen (?) dabei.

Genau so hab ich mir das vorgestellt. Richtig für eine Rast zu zweit.

Coole Idee.

War sicher nicht die letzte „Nachfüllstation“ (Stichwort Nachhaltigkeit).

So gondeln wir weiter talwärts, Paese für Paese, in welcher eine gewisse Lethargie zu herrschen scheint, denn seit die Autobahn Mitte der 1980er Jahre eröffnet wurde, ist die Einnahmequelle von einst (der rastende Tourist) weg, und Veränderung nicht in Sicht.

Wer rastet denn hier noch, hat ja nix mehr, wo sich rasten lohnt.

Auf den ersten Blick gebe ich da recht, nicht wirklich schön, unlebendig und lau scheinen die Dörfer auf bessere Zeiten zu harren.

Lass dir gesagt sein, ein Halt- Auch im grössten Kaff- lohnt sich meiner Meinung nach, denn diese Dörfer öffnen ihre Schönheit denen, welche sich auch Zeit für sie nehmen.

Uns passiert dies mit Giornico (schprich Tschorniggo).

Völlig unerwartet wunderschön!

Schon ab und zu habe ich von der Autobahn aus -vorallem nachts- drei Kirchen (!) im etwa 800 Seelendorf vorbeirauschen sehen. Diese wollte ich nun besuchen. An der Falegnerameria, welche heute Samstag am lavorare ist, rechts über die beflaggte Brücke- staunen wir bereits schon das erste Mal.

Hier, am Ticino liegt malerisch der alte Dorfkern Giornico’s – und sogar eine Insel mit Häusern hatts, WAU!

Wir tuckern weiter zur Kirche San Michele, hier lassen wir unseren treuen Wagen, und geniessen die Sonne.

Die Kirche ist recht hüpsch, die Sigristin gibt den Blumen frisches Wasser, und schaut nach Ordnung. Der Stil ist gemischt, alt und neu. Jo, schön.

Ein kurzer Walk zur zweiten Kirche, San Nicolao, welche uns mit steinernen Löwen und weit offenen Tür empfängt, ist sehr speziell. Die Apsis liegt erhöht, erreichbar über eine Treppe. Malereien mit dem Leben vom Heiligen Nikolaus sind wunderschön an den Wänden, ein Kontrast zu den grob gehauenen Granitmauern und dem wunderschönen Holzdachstuhl.

Die Kirche liegt inmitten von Weinbergen- müsste ein Traum für Hochzeiten sein, smile. Umbedingt sehenswert, auch wenn nur spärlich Informationen vorhanden sind.

Die dritte (und auch eine vierte!) Kirche sind nur nach Voranmeldung besichtigbar, wir lassens, zu heiss für lange Wanderungen.

Schiinz wurde die eine Kirche auf der Ruine einer alten Mailänderburg errichtet. Erinnert dies doch an italienischen Besitztümer, die Schlacht bei Giornico ist ganz historisch Versierten sicher ein Begriff. Da wurde gekämpft, gebrandschatzt, geplündert.

Wir aber möchten friedlich rasten, unsere gefüllte Box plündern. Die Eindrücke geniessen. So sitzen wir auf der Brücke herrlich unter Bäumen, und geniessen die Aussicht- siehe Beitragsbild.

Giornico, hast uns sehr sehr sehr gefallen, wir kommen gerne wieder!

Nach diesem wunderschönen Aufenthalt im Paradies gehts weiter nach Biasca- hier liegt ein Stop in den Shoppingtempeln drin, wir haben den Campern ein Dessert versprochen. Und natürlich müssen wir schauen, was es im MANOR Neues gibt. Und ob der OVS doch nicht noch was brauchbares hätt (hab doch da mal so ein Leuchtpodest gesehen…)- Nöö, der ist definitiv zu hier.

Gemütlich erreichen wir so Tenero, und zägg- stehen an einer Schlange vor dem Eingang des Campings.

Hier musst dich anmelden- einfach reinhootschen is nicht. Ist das weltweit so? Oder wiedermal eine Schweizer Originalität?

Das übliche Getümmel, und alles auf schwiizerdütsch. Als wären wir in Frauenfeld/Zürich/Luzern auf dem Campingplatz.

Zu wem wir wollen? Zeltplatznummer? (Hä? Was?!) Hochsaison, Zuschlag, Auto… Übernachten kostet dann mfall extra..

Uffa!!!

La Signora am Empfang spricht Deutsch- ich Italienisch…. Moment, was läuft hier vercheert?? Als sie uns den Eintrittspreis dann mitteilt, rutscht es bei mir raus:

Ich will nur meine Schwägerin besuchen, nicht den Platz kaufen!

Nun will sie nichts mehr verstehen- Verrückt, wie so Sprachkenntnisse doch plötzlich aussetzen können, habs doch aus Trotz auf Deutsch gesagt…☺️

Egal- Wir geniessen den geselligen, lässigen Abend, amüsieren uns ab der Engstirnigkeit der Leute, nerven uns, weil wegen der vorherrschenden Deutschschweizer man das Gefühl kriegt, auf einem gewaltigen Outdoorspielplatz in der deutschen Schweiz zu sein. Geniessen das Rauschen der Bäume, die Aussicht am See.

Und ab 22.00 Uhr sind die Zelter zu, Lichter gelöscht, Kinder im Bett, Tische und Stühle adrett zusammengefaltet und hüpsch am Wohnwagen drapiert.

Nur wir höcklen zufrieden draussen und geniessen den herrlichen Abend.

Ey- Es ist Wochenende, und ihr habt doch Ferien…

Nützt nichts- Meine Worte hallen ins Leere- höchstens ein leises Murren und ein spitzes „Pschschschscht“ zischt wütend zurück.

Die Nachhausefahrt nach Mitternacht war etwas schwierig, Oltregottardo hatts geschifft, und ich müde -mamma mia!!

Es war wunderschön, wirklich herrlich! Was uns das Tessin diesmal gezeigt hat, respektive wir entdecken durften, lässt uns schlicht und einfach schwärmen, und dankbar den Hut ziehen.

Toll!

Söttige Ausflüge lieben wir!

Angeguckt

3 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Oh, Remo – Du schriibsch eifach so unterhaltsam! Würkli me cha sich das grad alles so guet vorstelle, als wär me grad sälber det!
    Und wie du Tenero beschriibsch – ich lach mi flach – aber jedem das seinige! Super 👍🏼!

    Gefällt 1 Person

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