Rottweil

Dass wir hier (also da) landen, hätten wir an diesem Morgen (was heisst Morgen- Mittag!!) nicht gedacht. Und dass wir auf der höchsten Besucherplattform Deutschlands landen- Das schon gar nicht!

Vorallem nicht, weil wir was total anderes vorhatten.

Aber so was von.

Äääh, schön der Reihe nach:

Wir haben uns -2011 oder 2012- eine SIM-Karte fürs Handy gekauft, welche es uns erlaubt, im Ausland zu örtlichen Gebüren ins Internet zu gehen. Denn wir brauchen Internet, um jeweils via App vor Ort eine Unterkunft zu buchen, oder sonst schnell was nachzugucken. Es ist eine Prepay-Karte, ohne Fixkosten und beschränkter Geltungsdauer.

Weil was unsere Schweizer Telefonanbieter heuschen- ist einfach nur frech. Wir sind glaub mittlerweile das einzige Land in Europa, welches noch Roaming Gebühren erhebt, aber mit uns kann mans ja machen. Drum ist es für uns absolut in Ordnung, ein ausländisches Angebot zu nutzen. Diese Karte-in Österreich beheimatet- kann in ganz Europa benutzt werden. Und da wir hier in Europa hauptsächlich Ferien machen, passt dies tipptopp.

Da die SIM-Karte eben schon einige Jahre auf dem Buckel hat, musste sie, zwecks Technologiewechsel von Mini-Mikro-Makro auf Nano, uff wasweissich schon x-mal zurechtgeschnitten werden. Ach, die Zeit der Wählscheiben war doch sowas von einfacher…

Aber diesmal müsste man zuviel wegschneiden- und der Chip ist heutzutage dünner, die Technologie besser (3G? Steinzeit!).

Was tun? In der Schweiz gibts keinen brauchbaren Ersatz, und über Internet geht nicht, weils dieses Angebot heut online gar nicht mehr gibt.

Gut sind wir in der kleinen Schweiz zuhause- denn wir sind in ein bis zwei Stunden in Frankreich/Deutschland/Italien/Österreich..

Also ab nach Österreich- Denn da hats ’nen Laden des Netzanbieters, der könnt uns eventuell helfen. Wir versuchen es mal, vielleicht gehts ja. Im schlechtesten Fall behalten wir die alte Karte und das alte Händy.

Und tatsächlich kriegen wir eine tipptoppe neue SIM-Karte für umsonst. Unkompliziert und schnell.

Hei! Wie kool!

Da wir schon mal hier sind, machen wir ein Ausflügli am Bodensee. Dieser war aber auf der deutschen Seite dermassen überloffen, das uns die Lust zum rasten und verweilen so richtig flöten ging. Wie ist das den bloss Sonntags? Es gräuelt uns, überall Autos, vielerorts sogar Stau, ein Massenandrang! Ohjeminee!

Wir auf der Suche nach einem lauschigen Biergarten- ha! Nix da. Alles zu, alles Ferien, alles wegg!

So tuckern wir bis zum Seeende nach Ludwigsburg, und endlich finden wir ein Rastbeizli. Immerhin das. Pinkel- und Rauchpause. Plus ein Spezi.

Konstanz und Singen liegt nah- aber unser Bedarf an Stopf/Schwitz/Drängel- Leuten (meist Schweizer…) ist vollends gedeckt. Bäh!

Hmm- Wasgibtsdennhiernochso?

Am Grübeln und Googlen kommt mir eine zündende Idee:

Rottweil.

Rottweil?

Rottweil.

Diese wunderschöne Stadt oben an der Neckar sei die älteste Stadt Baden- Württembergs mit historischem Stadtkern und eine berühmte Hunderasse wird auch da gezüchtet.

Nix wie hin, ist eine 3/4 Stunde von hier-So what?

Schon die Anfahrt durch die Altstadt bescherte uns ein Funkeln in den Augen- Wo ist der nächste Parkplatz, wir wollen die Stadt besichtigen! Subito!

Der Altstadtkern ist ein historisches Geviert, wir staunen und gucken. Die Häuser sind alle schön farbig und gut im Schuss, es macht den Anschein, als gehe es der Stadt gut. Sehr breite Gassen und überall Läden. Eine Altstadt, die noch lebt. Überall goldene Verzierungen und schmiedeeiserne Tafeln (die waren damals vorgeschrieben).

Wir tauchen ein, in diese uns unbekannte, faszinierende Stadt hoch über der Neckar.

Es ist nach dem Trubel am Bodensee herrlich ruhig, beruhigend und erholsam. Wir schlendern durch die Gassen, ich finde einen Wehrturm oben am Hügel- mit Leuten drauf.

Wir möchten auch, denn Ausguck, das machen wir gerne, wir lieben es.

Den Schlüssel zum Turm kriegt man beim Tourismusverein, aber da ja schon wer drin ist…. Leider ist die Tür verschlossen, und auch als die muntere Truppe heraustritt, und ich mich nach dem Schlüssel erkundigen tu, kriegen wir eine Absage, denn der Turm macht in wenigen Minuten zu- Der Tourismusverein auch.

Achnööö… so gehen wir noch eine der drei Kirchen im alten Stadtkern begucken, da fand ein Sommerkonzert statt. Geige, Kontrabass und Kirchenorgel- eine spezielle Kombination, So kriegen wir eine gehörige Prise Kultur. Toll.

An der autofreien Hauptstrasse nochmals aufgetankt, das Eis (3 Kugeln) für 6 Euro. Wau! Perfekt!

Der Rundgang hat uns gut getan, und wenn auch viele der Geschäfte ferienhalber abwesend waren, spüren wir, dass hier in diesen alten Mauern noch Leben steckt. Wirklich wunderschöne Stadt. Kannst den Bodensee mit seinem Gedöns haben- wir sind hier schöner dran.

Wenn du das heutige Fotto aufmerksam betrachtest, fällt dir so ein Ding auf, welches einfach nicht hierhin passt.

Guck.

Was ist das bloss für ein Turm da im Hintergrund? Ein weisser Stirzel, der da über die alterwürdigen Giebeln der Stadt hervorlugt? Immer wieder fällt er in der Kulisse auf- Gell, hast ihn nun auch entdeckt?

Wir- von Natur aus neugierig, möchten wissen, was da so im Juhee rumsteht, möchten wissen, was der Sinn des Turmes ist, seine Struktur fasziniert uns beide sehr. So fahren wir der Nase (also der Landmarke) nach, auf der Suche nach dem Standort des Turmes. Es hat viel Wald unten an der Neckar-wunderschön. Immer wieder erwarte ich, vor vergitterter Strasse zu stehen- so ein Turm ist sicher was Privates, gehört zu einer Firma, wasweisich. Ist sicher nicht öffentlich. Aber Fotos kann man sicher machen, eventuell halt durchs Gitter. Seine gedrehte Form ist faszinierend.

Wieder oben auf dem Hügelzug liegt ein Industriegebiet, nichts Kribbelndes.

Souverän fährt mein Schofför in eine Strasse, die direkt zum Turm führt! Und schon steht er in voller Grösse vor uns- Die geschwungene Gebäudehülle fesselt uns und lässt uns nicht mehr los.

Wir sind nicht die Einzigen, immer wieder kommt ein Auto und macht wie wir ein Foto. Manchmal gehen sie auch ins Gebäude, welches gross mit dem Logo von ThyssenKrupp angeschrieben ist. Hä? Was macht den ein Stahlkonzern mit einem Betonturm?

Windenergie?

Abluftkamin?

??

Auf einer Tafel steht, dass man den Turm besichtigen kann, und nach richtigem Lesen (!) auch, dass er heute noch zwei Stunden offen hat.

Schnell das Auto parken- wir sind gespannt, was der Turm im Innern zu bieten hat, und ob man da auch nach oben kann, Obenabenguck ist uns ja bekanntlich lieb.

Wir erfahren, dass dieser Turm eine Versuchs- und Zertifizierungsstelle für Aufzüge des Industriemoguls ist- Hier der Link zum Turm.

Wir sind wenige, welche rauf wollen, Absperrbänder zeugen von Europaparkmässigem Anstehen. Uns solls recht sein!

Die gut 230 Höhenmeter schaffen wir in ca. 30 Sekunden, durch die Fenster können wir den Aufzug miterleben.

Oben dann der Ausblick:

WOW!

Die höchste Besucherplattform Deutschlands mag uns in Faszination zu versetzen- herrlich die Sicht über Wälder, Schluchten, der Stadt bis hin zur Burg Hohernzollern. Wir gucken gespannt den Film, welcher im Inneren der Plattform gezeigt wird, und uns die neuesten Technologien im Bereich Liftbau vorführt.

Der Ausblick auf 232 Meter Höhe ist so was von unerwartet und schön- wir drehen eine zweite Runde draussen, smile. Geniessen die Aussicht, gucken, geniessen, gucken!

Die Runterfahrt (wir waren mit zwei Begleitern des Turms alleine) war sehr angenehm, bereitwillig gab man uns Auskunft.

Der Turm ist noch kein Jahr fürs Publikum offen, alles ist neu! Im Sockel des Gebäudes noch einen Werbefilm der Liftfirma geguckt, wir sind voll häppy von diesem Ausflug.

Eine Anekdote für alle, die Deutsche nur als Rampensau, und Den-Liegestuhl-mit-dem-Badetuch-Beleger, den Arroganten und den Buffet-Ellbögler kennen:

Wir mussten nach Besuch des Turms für den Parkplatz 2 Euro bezahlen. Wir hatten nur noch einen 20 Euroschein- und den nahm der Automat nicht. Kreditkarte auch nicht. Wir zurück zum Turm- Ob wer vom Personal 20 Euro wechseln könne? Die Kassen waren schon abgerechnet und weggeschlossen- und seien wir ehrlich: Wer hat schon für 20 Euro Münz im Sack?

Schlussendlich haben uns die drei Mitarbeiter (welche schon seit über zehn Stunden heute hier sind), ihr restliches Kleingeld zusammengekratzt und uns in die Hand gedrückt, es waren schlussendlich 2.60 Euro- Der Rest sei „Benzingeld“ meint lachend der Eine. Wir haben uns mit einem Schweizer Fünfliber revanchiert, wir hatten das Gefühl, dass diese netten Leute so einen Batzen noch nie gesehen haben..

Wir betrachten diese Geste als überhaupt nicht selbstverständlich, und in unserer unsicheren Zeit von Lug und Betrug äusserst liebevoll und tschennt!

Überglücklich gehen wir mit einer Hampfel Kleingeld zum Automaten.

Verd… der nimmt keine 20er! Und wir kommen mit dem Münz nur auf 1.50!

Nochmals in die Schalterhalle? Die lachen sich ja kaputt.. Wir versuchens bei einem Automobilisten, welcher grad in sein Auto steigen will, gerne wechselt er uns passend, nachdem wir unsere Story erzählt haben. Mehr noch- er wartet vor seiner Weiterfahrt, ob wir unser Ticket nun entwerten können.

Daumen hoch!

Und nochmals herzlichen Dank liebe Deutsche, habt uns wieder einmal bewiesen, dass ihr sehr liebenswürdig seid.

Freuen uns auf zwei Wochen Ferien in Ostdeutschland Ende September!

Angeguckt

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