Lemminge

Aaaah-

Das hab ich gebraucht.

Ruhe, und kein Mensch.

Es ist Werktags, morgens um Sieben.

Am HB Zürich.

Normalerweise DAS Gewusel und Gehetze schlechthin. Egal wo du dich hinstellst, es gibt immer jemanden, der vor dir durchwürgt, sich noch schnell an dir durchzwängt, obwohl es genügend Platz rundum hat, und das mit der Distanzzone, welche gerne auf dem Männerpissoir zelebriert wird, und es regelmässig als sinnloser Comicsstrip in zu füllende Gratis Schund Zeitungen schafft- vergisses. Hier sind die echten Lemminge, hier wird um jeden Platz gekämpft, als würde bereits 10 Minuten später kein Zug mehr fahren.

Nie mehr.

Gerade jetzt, Anfangs September scheint es regelrecht Leute aus allen Löchern zu regnen. Vor Wochenfrist war ich quasi alleine auf dem Bahnsteig. Wo kommt ihr denn bloss alle her? Das war vor und in den Sommerferien besser.

Hülfe!

Plötzlich sind Bahnsteige voll, in den Zügen sehr gut besetzte Kompositionen, das Aussteigen noch mühsamer- Weil draussen stehen die Lemminge, die auf ihren Weltuntergang steuern (ihre Mimik unterstützt ihren Zwang, schon im Zug zu stürzen, am besten bevor dieser angehalten hat, um Leute aussteigen zu lassen.) und zwängelen ins Wageninnere.

Es gibt Tage, da macht mir das absolut nichts aus. Ich stehe dann meist ab vom Schuss, amüsiert von der gezeigten Arroganz und Sinnlosigkeit.

Dann gibts aber auch Tage, an denen ich diese Leute ANSCHREIEN möchte, aber wo bleibt da die Erziehung?

Beim Umsteigen heute Morgen bemerke ich, dass mein Anschlusszug recht verspätet eintreffen wird, und er die Verspätung noch vergrössert, je länger es geht. Bereits haben sich Trauben von Leuten gebildet, der Zug ist noch gar nicht in Sichtweite.

Weil der benötigte Zug kommt ja immer.

Um die Zeit.

Ein Blick auf den Fahrplan- öu, mit diesem Anschluss verpass ich warscheinlich meinen Bus.

Gut gibts eine Alternativroute. Halt einfach auf der anderen Bahnhofsseite. Aber easy. Ich hab 10 Minuten. Aus meinen Augenwinkeln sehe ich noch- und es stand auf der Anzeigetafel- Dass ein anderer Zug woandershin nun auf dem Gleis eintrifft (da folgen die verschiedenen Züge in diversen Richtungen im Minutentakt). Und ich beobachte, dass die Lemminge sich in die Züge stürzen, unwissend, dass ihr Zug, den sie gerade mit ausgefahrenem Ellenbogen entern, gar nicht in die gewünschte Richtung weiterfährt.

Während ich gemütlich durch den Bahnhof gehe und auf meinen Anschluss am anderen Perron warte, der mich pünktlich zum Schaffen bringt, machen andere ungewollt halt ein kleines Ausflügli.

Wer kann es sich verkneifen, nicht auch chli Schadenfreude zu empfinden?

Und es gelingt mir einer der seltenen Momente, wo keiner am Bahnsteig steht- ich atme durch.

Es ist Werktags, morgens um Sieben.

Am HB Zürich.

Ich geniesse die Ruhe.

Einatmen.

Ausatmen.

Aber keine Angst, morgen stehen sie wieder da, die ganze Horde.

Am angestammten Platz.

Lemminge.

Uff.

Täglich

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