Erwartet aber unerwartet

Wie einige aus meinem näheren Umfeld wissen, spiele ich Musik bei einer Schweizer Steelband. Das sind die karibischen Ölfässer, welche einem zum Sandstrand unter Palmen tragen, und schwelgen lassen. Harry Belafonte und so.

Also spielte.

Also kein sogenanntes Steelpan oder Fass, sondern in der Perkussion, sprich Rhythmus.

Also von vorn:

Ich hab 1998 angefangen, bin dann bis 2005 geblieben. Ein -sagen wir mal- Sabatical eingeschaltet bis 2007, und dann nochmals bis 2013.

Danach war für mich endgültig Schluss.

Mit dieser Steelband verbinde ich sehr schöne Ereignisse, das Weekend auf dem „Yellow“ Schiff, die Reise ins Zillertal, die CD-Aufnahme, Züri Fäscht, Coudrefin…. Die eigens kreierte Homepage, das Gestalten professioneller Flyer/ Plakaten/ Broschüren, und, und, und.

Irgendwie wachsen einem die Leute auch ans Herz, mancheine Begebenheit haben wir zusammen erlebt. Viele gute Lieder geübt und gespielt.

Nun sagt ja einjeder der im Verband spielt, dass seine Band die Beste sei. Das ist auch gut so. Was uns meiner Meinung nach von anderen Steelbands unterschieden hat, war, dass wir bekannte Lieder spielten.

Ich probiere es mal mit einem Vergleich: Ist es für Einige ein Hochgenuss, wenn ein klassisches Orchester ein sehr anspruchsvolles Stück von Brahms gut spielt. Aber es erreicht nur eine kleine Elite, die das feine Gehör hat. Wenn das Orchester aber „The Lions sleeps tonight“ interpretiert, dann kommen alle, und mit allen auch die Stimmung. Und das haben wir uns auf die Fahne geschrieben: Bekannte Stücke, mit Wiedererkennungseffekt. Was aber nicht heisst, nur Bierlieder im Repetoire zu haben, wir wagten uns mit der Ouvertüre der Oper Willhelm Tell durchaus auch an klassische Klassiker. Und das kam gut an.

Wir wurden als Hausfrauen-Hobby-Band mit stehenden Ovationen bedacht, damals an meinem Geburtstag in Coudrefin, dem jährlichen Stelldichein Schweizer Steelbands. Und das echt verdient.

Logo, waren wir nicht perfekt, haben verpatzte Einsätze und vergessene Auftakte irgendwie gradegebogen. Logisch nervten uns die schrägen Töne der Nebenspielerin. Aber wir haben querbeet aus allen Genres Lieder gespielt, welche uns und den Leuten gut gefiel.

Und irgendwie hat’s Spass gemacht.

Das hat man gemerkt.

Mein Rücktritt war da, weil mir die Lust am Perkussionieren chli vergangen war. Zu besten Zeiten waren wir zu sieben (!) in unserem Register und konnten uns sogar mehrere Rhythmusstimmen leisten.

Die Zahl der Gruppe nahm immer chli ab, bestand die Band in den umfangreichsten Zeiten mal aus über dreissig Musikbegeisterten!

Ich fühlte mich etwas leer, und brauchte eine Pause. Ein Fass zu spielen, hat mich da zuwenig gereizt, aber den Takt angeben, und die Truppe durchs Lied führen, das gefiel mir eigentlich gut.

Auf Drängen habe ich meinen Rücktritt zum Sabatical umgewandelt, und nach knapp zwei Jahren war ich wieder in meiner liebgewordenen Umfeld mit meinen Leuten. Mittlerweile half auch mein Liebster tatkräftig mit, die besten Fotos aus allen möglichen Blickwinkeln sind so entstanden.

So gingen Jahre und Jubiläen ins Land, die Truppe redimensionierte sich immer wieder und pendelte sich so um die zwölf Nasen ein. Irgendwie habe ich jedoch die in der ersten Halbzeit gefühlten Spielfreude nicht mehr so richtig finden können, trotz interessanten Projekten wie zum Beispiel gemeinsamen Auftritten mit einem rätoromanisch singendem Chor in der Kirche, oder die Teilnahme an einer Quizshow (inkl. Casting/Schminke/Fangroupies) im Schweizer Fernsehen.

So kam vor fünf Jahren mein definitiver Entscheid, den Paukenschläger, die Rasseln, den Schellenring zur Seite zu legen.

Und nur noch als Passivmitglied zu figurieren.

War auch mal toll, nur zuhören, und schmunzeln, wenn mal wieder ein Ton chli schräg tönt. Und sich von den Tönen tragen zu lassen.

Mit meinem Abgang war die Band perkussionslos, dies hat meinen Entscheid auch grad nicht erleichtert. Aber irgendwie gings immer. Zu „Notfällen“ half ich gerne aus, hielt mich jedoch im Hintergrund.

Alljährlich fand in gewohnter Umgebung die Generalversammlung statt, meist innerhalb weniger als einer Stunde durchgepaukt, war das anschliessende Nachtessen parat.

Nicht so diese GV.

Mittlerweile sind die sogenannten Register sehr dünn besetzt, und lässt keine Absenzen mehr zu. Und die von mir vermisste Spielfreude greift auch bei anderen.

So dass die GV unisolo entschied, den Verein aufzulösen.

Jetzt könntest du sagen, was kratzt es dich, bist ja seit fünf Jahren weg.

Aber das kann ich nicht. Mir ist die Band ans Herz gewachsen. Und ich mag die Leute extrem. Ich war ja lange ein Teil davon. Und zweimal im Vorstand.

Und trotzdem, realistisch gesehen ist die Auflösung richtig.

So sitzen alle chli gschockt in den Stühlen, weil sie alle zugestimmt haben.

Wäre das nächste Jahr ein Jubiläum fällig gewesen–25 Jahre. Wow!!

Aber ist gut so. Wir beginnen mit der beschlossenen Auflösung. Gibts da doch schon noch zwei drei organisatorische Massnahmen zu treffen.

So auch das Künden des Proberaums. Dieses wurde uns sicher 20 Jahre unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Und die bandeigenen Instrumente wie der Bass und die Perkussion konnten in einem Schrank neben dem Probenraum gelagert werden. Dieser Lagerraum sollte geräumt werden. Drum kamen wir diese Woche zusammen, um gemeinsam den Schrank zu räumen, den Inhalt dieses zu besichtigen, das Verwertbare von Abfall zu sondern.

Irgendwie sind wir alle in die gemeinsame Vergangenheit geschwelgt- hat es doch noch Outfits von den Anfängen. Und jedes Outfit war noch als Reserve vorhanden, vom selbstgenähten Gilet über marmorierten Hosenträgern bis zur aktuellen Softshelljacke.

Kongas, Pauke, Timbales, Keyboard, sowie zwei Kisten mit Kleinperkussion wurden unter den Anwesenden verteilt.

Wir haben gestaunt, viel blieb schlussamend nicht mehr übrig, jeder hat noch eine Erinnerung behalten wollen. Der Rest, eine Kiste mit Kleinperkussion, der Pauke sowie der Sechserbass wird an Intressierte zum Abholen angeboten. Am Flomi verkauft. Oder halt entsorgt.

Auch ich hab meine liebsten Musikinstrumente mit nach Hsuse nehmen dürfen.

Plus die Fotoalben, von unseren gemeinsamen Auftritten und Ausflügen. Ein Zeitdokument, welches niemand horten wollte.

Als Erinnerung an eine wunderschöne Zeit.

Time to say goodbye (Tambarrias Version).

Sniff.

Freizeit

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