Sam Fuin

Sam Fuin? Sam was? Was für ’ne Wortkreation ist denn das wieder?

Lass es mich erklären, es ist ganz einfach:

Auf deutsch heisst dies Sommerende, Gedenken an die Toten/Vorabend des 1. November, …

oder neudeutsch: Halloween.

Nun bist du unsicher, weil das eine nach Hexensabbat, Beelzebub und schwarze Magie tönt, das andere nach Amerikanischem Trash-Kommerz, Trick or Treat, und Kürbisse over und over.

Und weil du dir nicht vorstellen kannst, dass mir das eine noch das andere gefallen würde?

Richtig.

Wer jedoch etwas unter der Oberfläche kratzt, und den keltischen Brauch näher betrachtet merkt schnell, dass da noch mehr ist wie gruselige Vorgartenpüppies, Kunstblut oder Verschrecken auf Teufel-komm-raus.

Eigentlich feiert man ein Fest, mit vielen Feuern und Musik, um sich auf die dunklere Jahreszeit, den Herbst und Winter vorzubereiten. Noch einmal den Sommer geniessen, und den warmen Temperaturen huldigen.

Wir erfahren, dass im PharmariesenPark– genau der, welcher nur seltenst für die Öffentlichkeit begehbar ist, aber herrlichst auf einer Halbinsel im Zugersee liegt, interessanterweise so einen Sam Fuin abhalten will. Wir sind echt gespannt, freuen uns aber, in dieser grossartigen Kulisse zwischen Schloss und Garten das Sommerende nochmals richtig zu geniessen.

Der Sommer in diesem Jahr macht kräftig mit, es ist wie in Süditalien. Warm bis heiss. Von Regen keine Spur. Und am heutigen Tag soll der letzte Altweibersommerabend sein, Schnee kündigt sich für die nächsten Tage an.

Perfekt.

Also los aufs Velo, ist eine herrliche Fahrt über herbstliche Felder in die boomende Nachbargemeinde.

Mit den Velos haben wir gut Platz beim Park. Diejenigen, welche mit dem (Gratis-) Shuttlebus anreisen, pferchen sich sardinenmässig in den Bus. Uff, das wird wohl ein Gstungg.

Was recht erstaunlich ist, sind die Horden Familien, welche ihre Kinderwagen, Dreiräder, Buggies und Sonstiges über den Kiesweg bugsieren. Die vielen Hundehalter, welche ihre Bello’s zu schottischen und irischen Klängen mitzerren. Meines Erachtens nicht grad das, was ein Kind/Hund verträgt.

Aber es ist ein Sehen und Gesehen werden, ein Theaterstück -oder besser- sagen wir Tragikomödie? Der Nachwuchs muss doch dem ebenfalls mit Familie anwesenden Nachbar präsentiert werden, und wer (-meine Güte!) keinen Nachwuchs hat, hat nen Hund. Muss man ja haben, gehört zu „Meine Frau-Mein Auto-Mein Boot“! So drängt sich halb Bünzlikon vom Dorf zum Schlosspark.

Uff.

Dabei ist der Anlass wie erwähnt weder Kinder/noch Fidogerecht. Der in den Medien angepriesene „Riesen-Laubhaufen“ ist sehr schnell überall verteilt, und mit Steinen vom Kiesplatz vermischt. Die grosse Menge Leute und eben nicht grad zimperlichen Musikklänge sind für die anwesenden Vierbeiner sicher qualvoll.

Wir geniessen’s trotzdem, schalten das Gemecker und Geheule aus, und freuen uns ab den schönen Feuerfackeln, welche uns den Weg weisen. Auch brennt ein Feuer riesengross, mit dem See und der Stadt Zug als Hintergrund vor mehreren Reihen Ästen- richtig toll gemacht. Auf einer Wiese tummeln sich Hirsch und Reh- aus Holz natürlich.

Und auf dem Schlossplatz sammeln sich die vielen Leute, ein reiches kulinarisches Angebot lockt!

Lebkuchen, Marroni, Frittierte Apfelringe, Bratwurst, Glühwein und Alkoholfreies buhlen um die Gunst der Besucher.

Derweil wird es dunkler, der Abend trifft ein. Herrliche Stimmung, überall Feuerschalen, Fackeln, wow. Und dann der Ausblick über den See, und den auftauchenden Vollmond. WOW!!

Dazu irisch angehauchte Musik auf der Bühne, und Auftritte der Dudelsackband. Kool!

Es gibt eine Feuerschau, ich meine, den Artisten schon mal an einer Hochzeit gesehen zu haben? Er vermag uns in den Bann zu ziehen, seine Feuerkünste sind grazil und roh zugleich, und wenn wir auch in Reihe fünf stehen, vermögen wir die Wärme des Feuers und die Freude des Künstlers sehr gut zu spüren. Wir werden ihn nochmal erleben dürfen, das zweite Mal etwas später auf den Schlossmauern, wo alle viel mehr sehen. Faszinierend.

Dazwischen flitzen immer wieder Kinder um den Platz, spielen Verstecken oder werfen Laub umher. Der Geschmack von Feuer und Laub vermag schöne Erinnerungen hervorzurufen.

Herrliche Atmosphäre.

Als Zaungäste horchen wir gespannt drei Märchentanten, welche Erwachsenen in trauter Runde einige Geschichten erzählen. Eine schöne Stimmung, die dunkle Nacht hüllt immer mehr ein, und auch die langsam abnehmende kinderwagenschiebende/hundeleinetragende Fraktion beeilt sich zurück zum Shuttlebus- weil er gratis ist, und wahrscheinlich die Tagesschau/Meteo/Wettendass?/ Wasweisich… gesehen werden muss. Dabei gibts hier so viel zu entdecken, man konnte Papier schöpfen, oder auch Seile herstellen.

Egal.

Leider war das kulinarische Angebot zu schnell ausgeschossen, weder Marroni noch Lebkuchen waren nun noch verfügbar. Wurde der Anlass etwa überrannt? Ist nicht schlimm, wir geniessen die Stimmung, aber als die Band dann mehr auf Country wechselt, und Linedancer ihr Bestes geben, sind wir doch froh, dass derer Auftritt zu Ende war.

Njäää.

Wir lassen uns stattdessen von der urigen Gewalt des lodernden Feuers faszinieren, der Schönheit des Parks, die wohlinszenierte Stimmung- ein Riesen Kompliment an die anwesende Mannschaft des Parkdiensts.

Toll gemacht!

Die Dudelsäcke spielen nochmals auf, wir schlendern dem Weg langsam nach vorne, werden von letzten hetzenden Bünzlikern fast überrant- Ahja- die müssen auf den Shuttlebus-10vor10 beginnt gleich.

Wir nicht.

Wir radeln gemütlich nach Hause.

Nicht ohne Zwischenstop am Käseautomaten…

Angeguckt

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