
Das kam scho bitz unerwartet, liess uns etwas im Ungewissen aber gelohnt hat es sich irgendwie doch noch…. glaub… hmm..?
Ich war friedlich am Ausschlafen an diesem Sonntagmorgen. Eine intensive, arbeitsreiche Woche lag hinter mir und der gestrige Ausflug zum Schloss Oberhofen am Thunersee wollte auch noch verdaut werden.
Eine Meldung auf dem Handy erschien:

Uh! Was ist denn hier los? Was läuft denn da ab?
Wir haben es uns angewöhnt, so spezielle, interessante Events welche wir aufschnappen, im Terminkalender zu notieren.
Sei es die jählich stattfindenden internationalen Denkmaltage, zu denen ich hier regelmässig berichte, oder der Turm Roten in Hohenrain, der immer am ersten Sonntag im Monat zur Besichtigung einlädt (->das wollen wir noch anlugen gehen). Der Production Day oder das wunderbare Chröpfelimee in Zug, irgend ein spezieller Event wie ein Flomi oder Eröffnung eines speziellen Gebäudes.
Egal was uns irgendwie interessiert, wir notieren uns die Daten, und wenns uns möglich ist, nehmen wir daran teil.
So hab ich mal im Internet vernommen, dass der Kirchenschatz der St. Oswaldskirche in Zug an einem speziellen Datum zu besichtigen sei.
Hier muss ich chli ausholen, für alle, die mich und mein Umfeld nicht so gut kennen, bitz was erläutern.
Diese Kirche hat für mich eine sehr spezielle Bedeutung, denn hier wirkte mein Grossvater über 30 Jahre als Sakristan. Ich darf mich doch stolz damit brüsten, dass ich fast jeden Winkel des Gotteshauses kenne, öb der Estrich über dem Hauptschiff, dem Glockenturm bis unter die mächtigen Glocken, dem Gang zur Orgel oder die Sicht von der Kanzel. Natürlich auch der Sakristei und der darüber eingerichteten Schatzkammer mit dem reichen Kirchenschatz des Gotteshauses. Unter den strengen aber gütigen Augen vom Vati durften wir auch mal die hinter Türen verschlossenen Habseligkeiten erhaschen. Ich glaube nicht, dass das viele wussten, welch unermesslicher Reichtum hier gut verschlossen aufbewahrt wurde.
Im letzten Jahr habe ich durch meine offenen Ohren vernommen, dass dieser Schatz der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll- Was für eine schöne Idee!
Der Haken folgte mit dem nächsten Satz: Nicht an ihrem angestammten Ort, der oberen Sakristei in der St. Oswaldskirche soll dies möglich gemacht werden, sondern in der Kapelle Maria Hilf.
Was?
Wieso?
Gänzlich unbekannt, um was für eine Kapelle es sich hier handeln sollte, meinte ich erst, es sei die Liebfrauenkapelle in der Altstadt. Aber nein, es war die kleine „unscheinbare“ Kapelle grade neben der St. Oswaldskirche.
Wusste gar nicht, das die so heisst.

Diese Kapelle wurde als Beinhaus errichtet, denn wir stehen hier auf einem alten Friedhof. Seit dem 19. Jahrhundert wurde auf dem neuen städtischen Friedhof bei St. Michael und nicht mehr hier beerdigt.
Dieses kleine hübsche Kapellchen war bei mir nie im Fokus, es war nur ein Raum mit etwa 50 Stühlen, einem Altar, und bunten Kirchenfenstern.
Und hier rein sollte der unermessliche Kirchenschatz von St. Oswald?
Kann ich mir nicht so vorstellen. Das hat doch überhaupt keinen Platz…
Jeweils am 1. August öffnet die Stadt Zug traditionell verschiedene Türen und Tore intressanter Gebäude, zum ersten Mal konnte das gemeine Volk den Kirchenschatz an seinem neuen Ort bestaunen.
Man musste sich jedoch dazu anmelden- dazu haben wir an diesem Datum echt keine Lust, wir möchten lieber mal spontan reinlugen.
Der Schrank in dem die kostbaren Schätze lagern ist sehr wohl sichtbar, wenn die Kapelle geöffnet ist. Der Schatz selber ist aber hochsicherheitsmässig in einem Safe dahinter eingebaut.
Und nur mit Führung erlebbar.

Wenns man nicht weiss, vermutet keiner hier einen gut gesicherten Safe, mit seinem unermesslichen Schatz.
Dieser Schrank hatte zu Vatis Zeiten nichts Wertvolles intus, es war ein Gebrauchsschrank mit Kerzen, Tüchern, Krimskrams und Reinigungsutensilien.
So viel mal zu Geschichte.

…zeigt es um 09.00 Uhr auf meinem Händy an.
Ou! Da müssen wir uns jetzt aber rächt sputen- Möchten wir doch gerne die Gelegenheit nutzen, um uns ein eigenes Bild vom neuen Aufbewahrungsort des Kirchenschatzes zu machen.
Im Parkhaus Casino (das vom Buch Das Haus an den Klippen) parken wir den GlossyCrossy (mit dem Ladevolumen von 1 BimBam). Und stehen mit wenigen Schritten bald vor der Kapelle.
Ein wunderschöner Morgen mit viel Vogelgezwitscher, die Rauchschwalbe zieht ihre Kreise hoch über unsern Köpfen. Der Himmel wolkenlos. Noch weist nichts auf eine eventuell stattfindende Führung hin.
Sind wir hier wirklich richtig?
Irgendwann kommt eine Spontacts Gruppe, die ebenfalls an der Führung mitmachen möchte. Da sie aber unbedingt noch die Fischbrutanstalt in der Unteraltstadt und die weiter entfernte Ziegelei in Hagendorn besichtigen wollen, sind sie nach gut 15 Minuten Führung bereits wieder verschwunden.
Schad für sie.

Wir stehen (oder sitzen) nun vor diesem Schrank, die Führung hat die Türen geöffnet und das Licht im Schrank angemacht.
Es war toll, was uns die Führung mit fundiertem Wissen über diese Schätze berichten konnte!
Über jedes der Stücke wusste sie zu berichten, und wir stehen vor diesen Kunstwerken, welche man heute in dieser Ausprägung wohl niemals vollenden könnte.

Der heilige Michael mit dem Teufel zu seinen Füssen.

Man beachte auch das Mäscheli an seinen Füssen…
Unglaublich, diese Feinheiten!

Neben ihm die Monstranz, (vom lateinischen monstrare—> zeigen, vorführen, hinweisen) von St. Oswald.

Und sein Geschwister, die Monstranz von St. Michael. Diese wurde mal geraubt, nur der Fuss mit Schaft konnte in Basel sichergestellt werden, und erhielt einen neuen Aufsatz.
Nebendran der heilige Sebastian.

Unten ein paar kleinere -sagen wir mal Schrankfüller dazu- Objekte.

Auf dem oberen Tablar eine Auswahl von Kelchen aus allen Epochen.

Wer weiss, vielleicht schafft es der Keramikteller von Mami (der mit der Biene) auch mal in diese Vitrine? Das dieser immer noch in Gebrauch ist, habe ich anlässlich des Trauerfeier vom Vati miterleben dürfen.
Der rechte Schrank ist den prächtigen Monstranzen gewidmet.

Die prächtige Sonnenmonstranz ist ein Meisterstück zugerischen Gold- und Silberschmiedewerk. Zug war damals ein Hotspot für Gold-und Silberhandwerk, es wurde auch Klein-Augsburg (das Zentrum der deutschen Gold-/Silberschmiederei) genannt.
Die Marienmonstranz

Und die Josefsmonstranz darunter

Diese seien sogar eine Zuger Erfindung. Man wollte das Rosenkranzgebet wieder mondän machen.
Also heute würde dies nüm reichen….

Sankt Oswald, der Märtyrer und König aus Nordengland ist die einzige Statue des hier gezeigten Kirchenschatzes, welche nicht aus Zug stammt, sondern aus Schaffhausen. Mit über 175 kleinsten Schrauben wird das versilberte Blech zusammengehalten- Unvorstellbar.
Eine Detailansicht seines Mantels zeigt die äusserst geschickte Gravur und Feinheit! Kollossal!

Nach einer 3/4 Stunde war die Führung vorbei, es konnten noch im Einzelgespräch viel Wissenswertes von der Erklärerin erfahren werden.
Mich interessierte, weshalb man diesen doch etwas beengenden Schrank als neuen Ort für die Ausstellung gewählt hat.
Die Ausführung, dass man die obere Sakristei wegen der engen Treppe nicht der Öffentlichkeit hätte zumuten können, und man für die Fronleichnamsprozessionen nicht durch diese Treppe runter die Kostbarkeiten tragen wollte, halte ich hier einfach für eine glatte Ausrede.
Wer schon mal in der oberen Sakristei war, gibt mir recht.
Aber henu.
Meine Frage, öb das hier der gesamte Kirchenschatz von St. Oswald sei verneinte sie nach meiner Anmerkung, dass ich den Kirchenschatz doch viel umfangreicher in Erinnerung hatte.
Aber ob in der oberen Sakristei noch Schätze lagern, darauf wollte sie irgendwie nicht recht antworten.
Henu.
Trotzdem war es ein sehr lehrreicher Ausflug, der sich alleweil gelohnt hat.
Auch wenn es bitz blutet in meinem Herzen, wissend, dass der Platz in der oberen Sakristei der Kirche besser geeignet gewesen wäre.

Wir sind dankbar, konnten wir ein Auge drauf werfen.

Und ein neuer Eintrag erscheint nun im Kalender:

Den Tip haben wir von der Führung. Man könne hier auch hinter die Kulissen von Gotteshäusern werfen. Der Ausblick vom Glockenturm St. Michael sei fantastisch.
Interessant!
Mal lugen, wir haben ja ein Jahr Zeit…
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