Wie man am heutigen Beitragsbild sieht, scheinen wir in einem bunten Keramikladen gewesen zu sein. Wenn man nun chli gnauer guckt, prangt da und dort ein Logo hervor.
Im Land der Schlösser und der Fleur de Lys hätte man schon längst «oooh!» gedacht, denn hier ist diese Firma eine veritable Institution. Cocottes werden über Generationen weitervererbt, und nur für den Sonntagsbraten gebraucht.
Wir in der Schweiz kennen die Pfannen und Bräter von La Creuset nur sehr selten, und wenn, dann ist es eine absolute Ausnahme. Seit mehreren Jahren sind auch wir stolze Besitzer einer solchen Le Creuset Pfanne, die himmelblau emaillierte Gusseisenpfanne hat uns im Outlet nahe Paris äusserst gefallen, und wir haben sie dann auch gekauft. Die Qualitätswaren sind -sagen wir mal recht teuer- drum lohnt es sich, nach Outlets oder einem Fabrikladen Ausschau zu halten.
Fabrikladen? Wo werden denn diese bunten Kostbarkeiten hergestellt?
Jaja, Frankreich, das wissen wir.
In Fresnoy-Le Grand.
Huh?
Wo?
Das liegt im Norden von Frankreich, völlig in der Pampa irgendwo zwischen Reims und Lille.
Reims? Da waren wir doch grad eben?
Äbe!
Also damit war unser Ausflug zu dieser Firma fix, denn wann kommen wir je wieder mal in diese Gegend (wobei uns Reims extrem gut gefallen hat)? Und wir freuen uns ufest drauf. Der Fabrikladen wurde vor sechs Jahren völlig neu gebaut, ein heller, moderner Verkaufsladen steht vor den riesigen Hallen der Firma. Die Rezensionen im Internet sind nicht allzugut, und ich finde auch, extra hierhin fahren, das lohnt nicht, die Preise in den Outlets sind meist besser, und vorallem näher zu erreichen. Aber wenn wir schon mal quasi in der Gegend sind…
Wir finden zwei lässige Espresso Tassen aus Keramik mit den typischen Le Creuset Farben, und kriegen das dritte sogar geschenkt. In die Fabrik können wir leider nicht. «Aus Sicherheitsgründen» erwiedert auf meine Frage die freundliche Verkäuferin.
Henu- egal.
Aber mal an Ort und Stelle zu stehen, wo diese Küchenikonen hergestellt werden, ist scho no speziell.
Gemütlich gondeln wir weiter, Zuckerrübenfelder säumen die Strasse, und uns fällt auf, dass es hier keine Kühe hat. Dafür jede Menge Windräder.
Wieviel Windrad braucht ächt so ein Durchschnittshaushalt? Das wär noch interessant zu wissen…
Vor den Toren von Amiens machen wir eine kleine Pinkelpause und geniessen danach die Sonne.
Sie begleitet uns heute eh den ganzen Tag, es ist herrlich! Hoffen wir, es bleibt no chli soo.
In Amiens- Wir wähnen uns wegen der Backsteinhäusern sauber an der Strasse aufgereiht wie in England. Fehlt nur noch…
Ei-der Daus!!! Eine englische Telefonkabine!
Wir grinsen- Das hat aber gepasst.
Wieder stellen wir unseren Hubi ins Parkhaus, wollen dieses Amiens mal beschnuppern.
Und ich sage dir: Wir werden überhaupt nicht enttäuscht!! Nur wenige Schritte, und wir stehen vor der grossartigsten Kathedrale von Amiens. Es sei noch gewaltiger wie die Notre Dame in Paris und höher wie die gestern bewunderte Kathedrale von Reims.
Gewaltig, was hier hingebaut wurde, in die Hauptstadt der Picardie. Recht hell im Innern, und über 40 Meter hoch! Wir begehen das Labyrinth und finden den inneren Kreis, bewundern die immense Baukunst an den über 3500 Figuren aussen und 3500 Figuren innen an der Kirche. Vorallem das Chorgestühl ist fantastisch und geschickt in 3D geschnitzt. Unten auf Augenhöhe liegen die Erbauer und die ersten Bischöfe der Kirche. Wunderschöne Kronleuchter hängen im Chorgestühl und es ist grad eine Besichtigung in Gange.
Also das Gebäude ist auch für Nichtchristen sehr sehenswert und extrem beeindruckend!
Wieder im Freien wärmen uns die Sonnenstrahlen herrlich auf, wir sind uns nicht sicher, in welche Richtung wir die Stadt erkunden sollen.
Da steht so ein Touristenbähnchen bereit, welches in wenigen Minuten abfahren wird.
Hmmm-sollen wir ächt? Wir haben das schon Mal in Lugano gemacht, und eigentlich hat es uns sehr gefallen!
Also los! Bevor der Zug losfährt. Leider haben wir zuwenig Bares dabei, aber unser herzlicher Führer sagt, wir sollen einsteigen, er würde bei einer Bank einen Stopp machen, damit wir Geld holen können. So lieb!
Und schon gings los. Rund durch die Altstadt, etwa 10 Kilometer durch Fussgängerzonen, belebte Autokreuzungen und wunderschönen Plätzen.
Wir erfahren und sehen viel in diesen gut 80 Minuten, das lohnt sich allesweil! Jules Verne lebte hier, Dunlop Pneus sind auch eine Errungenschaft Amiens, es gibt einen Zoo und viele imposante, wunderschöne Gebäude. Vorallem das Saint-Leu-Quartier hat es uns abgetan. Kleine, farbige Häuschen, hüpsch aneinandergereiht stehen sie an Kanälen, die man dem Fluss Somme abgezweigt hat.
WAU! Wie schön! Kann Amsterdam echt einpacken dagegen! Uns gefällts hier dermassen gut, hier in dieser Stadt möchten wir übernachten.
Der Halt bei der Bank (nur für uns!) hat uns bewiesen, dass die Leute hier recht herzlich sind und wenn man mit ihnen abständig umgeht, sie auch entsprechend reagieren können.
Unser Hotel ist etwas oberhalb der Kathedrale, wir parkieren Hubi in ein näher gelegenes Parkhaus um.
Tipptopp, das Hotel ist in der Fussgängerzone, keine zehn Minuten von der Kathedrale entfernt.
Wir sehen die Westseite noch warm in der Sonne strahlen und genehmigen uns in Sichtweite ein Schwepps-Agrüm, herrlich!
Der Gang danach ins Kanalviertel hat uns vollends von dieser völlig verkannten und in Reisebüchern nur lau beschriebener unheimlich quirliger und extrem sauberer Stadt überzeugt. Sowas hüpsches und vielfältiges haben wir zusamnengefasst in einer Stadt noch nie gesehen!
Auch diese Stadt erhält einen Platz in meinem Herzen!
Formidable!
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