Anlass dieses Berichtes ist die gute Idee, ein Zeitdokument in eine Kapsel zu stecken. Diese dann zu vergraben, und in zehn Jahren wieder hervorzuholen. So können in zehn Jahren Gedanken von heute (2024) gelesen werden…

Bekannt ist dieser Brauch des Dokument hinterlegen seit Jahrhunderten vorallem bei Grundsteinlegungen von Kirchen und Gebäuden und ist da recht verbreitet. Bei Renovationen wird diese Zeitkapsel dann geöffnet und ergänzt mit aktuellen Dokumenten und für die Nachwelt wieder verschlossen.

So kommen Zeitdokumente zum Vorschein welche ansonsten in der Masse des Geschehens verloren gegangen wären.

Und das in der heutigen Zeit der medialen Überflutung.

Der Zoo al Maglio, der herzige Zoo im Tessin hatte diese Idee zu seinem 50. Geburtstag, der im 2024 gefeiert wird. Verrückt, wenn man zurückdenkt wie dieser Zoo entstanden ist, wuchs und sich immer wieder änderte und sich den Möglichkeiten entsprechend anpasste.

Mein erster Kontakt mit dem Zoo im Tessin war erst mal rein akustisch: In den 90ern waren wir ab und zu im Ferienhaus, das sich mitten in einem alten von Kastsanienwäldern überwachsenen Weinberg in Curio befindet.

Ein herrliches Paradies, wo nachts der Uhu ruft, die Glühwürmchen im Spätfrühling tanzen, und ab und zu auch mal ein Wildschwein den Rasen umpflügt.

In dieser Idylle war regelmässig nachmittags ein sonderbares Brüllen zu hören, was so gar nicht in die grünen Wälder des Malcantone passte. Wie wir rausfanden, war das das imposante Löwenmännchen Sahib, das vom Zoo unten her ruft. Was für ein spezielles Geräusch. Irgendwie vertraut, aber dennoch fremd.

So lag denn ab und zu ein Besuch dieses Zoos drin, er ist ja nicht gross, aber recht unterhaltsam.

Die Zeit vergeht und mir kam eine Idee, welche ich mit der Inhaberin -Damals noch per Sie- besprochen habe. Und zwar ging es um eine Patenschaft für eines ihrer Tiere. In anderen Zoos ist dies bereits gang und gäbe. Wieso denn nicht hier?

Man war von meiner Idee ganz begeistert- Es wäre die erste Tierpatenschaft in diesem Zoo!

Und dass ich als im Sternzeichen Löwe geborener das Löwenmännchen Max (der Sohn von Sahib) zu einer Patenschaft verhelfe, liegt doch auf der Hand. Was sind das auch für stattliche und wunderschöne Tiere!

Ich wollte die Patenschaft dann wiederum meinem Gottenmeitli zu ihrem ersten Geburtstag schenken, und wir machten bereits Pläne, dass mein Gottenkind mal «ihr» Patentier besuchen, und man eventuell sogar junge Löwen auf den Arm nehmen könnte, und, und, und…

Die Ideen sprudeln nur so, und so ging das mit der Patenschaft seinen Lauf.

Ich habe sie auch wie vorgesehen mit einem grossen Löwen-Plüschtier meinem Gottenmeitli weitergeschenkt. Die Freude (nicht der einjährigen Tochter) war recht verhalten. Und mit einem Seitenhieb erklärt, es solle gscheider ein Göttikonto eingerichtet werden, als die Patenschaft von Max, dem Löwen im Tessin.

Und so kam ich definitiv zu meiner Patenschaft, welche ich seit 2006 aufrecht erhalte. Es vergingen die Jahre, und immer wieder hat man uns spezielle Führungen und Backgroundinfos ermöglicht.

Ein Highlight war sicher, dass wir die noch namenlosen drei Jungen von Max und Stella in ihrem Nest besuchen durften. Draussen stand die ungeduldige Mama, und ihre gefährliche Nähe war sehr gut zu spüren.

Max war wie sein verstorbenener Papa nun mit einer wunderschönen Mähne ausgestattet. Und seine kalten Augen blitzten vor Schalk, wenn er mit einem plötzlichen Sprung die Zoobesucher verschreckte.

Mittlerweile ist unser Paradesli in den Wäldern des Monte Mondini weiter vergeben. Wir sind weniger oft in der Sonnenstube der Schweiz.

So läuft die Zeit, und wir mit ihr mit.

Es ist aber immer wieder eine Freude den Zoo zu besuchen. Unterdessen hat eine neue Generation den Zoo übernehmen können und wir finden es immer sehr interessant, was da hintendurch läuft und was da neben den offiziellen Gleisen für Geschichtlis auftauchen.

Ein weiterer Meilenstein war sicher unsere Heirat, denn auch da spielte der Zoo eine nicht unerhebliche Rolle. Wir luden unsere Gäste ein, den zweiten Tag des Anlasses mit uns im Tessin zu feiern. Gestartet wurde mit einem Aperitivo im Zoo, welchen wir in die Hände des Zooteams legen durften. Wir wurden dermassen reichhaltig und fantasievoll überrascht, es war einfach wunderschön und für den Zoo ein weiterer Schritt, sich auch für andere Fästlis und Anlässe zu öffnen. Wieder standen wir als quasi Geburtshelfer einer schönen Idee, was für ein schönes Gefühl.

Also ich kann den Zoo als Location für eine Feier echt dringend weiterempfehlen, so viel Liebe und Kreativität wie uns da entgegenkam- Es war eifach nur schön!

Und auch das dazumal über uns herabbrausende Gewitter vermag nur zum Sprichwort «Sposi bagnati-Sposi fortunati» beizutragen und tat dem Festli überhaupt keinen Abbruch.

Leider mussten wir dann im September 2018 erfahren, dass Max in die ewigen Jagdgründe gehen musste und nun da seinen Schabernack treiben wird.

Wir könnten aber, wenn wir wollten, einem der jungen Löwenmännchen den Namen aussuchen und die Patenschaft so weiter führen.

Was für eine schöne und liebe Idee- wir sind nach einem Trauermoment für Max dabei.

Gefallen tut uns der Name Alexander oder Alex- so soll es denn auch sein. Seine Brüder Aaron und Anubis suchen immer noch einen geeigneten Platz- Wo platziert man denn bloss einen grossen Löwen…?

Dann kam Corona.

Und alles wurde anders! Man durfte sich nur noch zu fünft treffen, nur mit Maske, Begriffe wie: Geimpft und genesen wurden wie Booster und Homeoffice plötzlich fix verankert und hinzugefügt zu unserem Standardvokabular.

Dass die Tier im Zoo dennoch Betreuung und Futter brauchen, die zahlenden Gäste aber ausbleiben, damit hatte der Zoo recht zu kämpfen. Da kann man nicht einfach die Türe zutun und harren bis sich die Lage wieder beruhigt. Umso mehr weil nun, da der Mensch dank Kontaktverbot (wir singen und klatschen auf den Balkonen und tun uns Hunde zu, nur um die Legimitation zum Freigang zu kriegen- Wir spinnen und verlieren jedwelche gesunde Einstellung zum Leben!) nun auf «soziale Medien» umsteigt und so unglaubliche und rufschädigende Shitstorms loslöst, die einen einigermassen gesunden Menschenverstand regelrecht erschauern lässt.

Erst recht, als das vom Bundesrat ausgeübte Notrecht von den Kantonen und von Aluhutverschwörern und Allesbesserwissern dermassen verchätschet wird, dass man schlussamänd nüm weiss, was jetzt richtig und falsch ist.

Man jetzt dem Bundesrat seine strengen Vorkehrungen ins lächerliche zieht, besser jedoch vor seiner eigenen Türe kehren würde.

Wann denn Corona tatsächlich aufhörte, und man sinnbefreit möglichst schnell wieder zum altbackenen vorcorona Zopf zurückkehrt, das kann mir niemand beantworten.

Plötzlich wurden Impfzentren abgebaut und Massnahmen gestrichen. Und als die Impfung (Nummer sechs? -sieben? -acht?) nüm kostenlos war, ging eh keiner mehr als einige nun belächelte Verantwortungsvolle.

So verlief die grösste Menschenimpfung aller Zeiten völlig im Sand und der Zoo kämpfte immer noch um seine Existenz. Es war halt nicht so wie in Zürich/Basel oder Goldau, wo man auf Millionenspenden zählen konnte. Hier lebte man von den Tages-Einnahmen, den Patenschaften und Goodwill für Futter aus den umliegenden Geschäften.

Und doch ist es jedesmal eine Freude, hierher zu reisen, und ein paar Stunden im Zoo zu verweilen.

Unter den Bäumen zu sitzen, dem Treiben der Leute und der Tiere nachzugucken, und ab und zu wieder Insiderstorys vom Zooteam zu erfahren.

Meinem Alex gehts mit seiner Cleo gut (man munkelt, sie sei etwas rundlicher geworden. Ob da wohl was unterwegs ist?) Und es wird auch viel Beschäftigung für die Tiere organisiert.

Dieser Bericht wird mit einigen Fotos von mir der Zeitkapsel im Zoo beigelegt, vergraben und in zehn Jahren wieder hervorgehoben.

Wer weiss, wo wir in zehn Jahren stehen.

Gibts uns denn überhaupt noch?

Ist der Zoo noch da?

Werde ich diesen Bericht in zehn Jahren wieder lesen können?

Es wird einiges laufen in diesen zehn Jahren.

Ich bin gespannt!

Hallo 2034!

Kategorien: Persönliches

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