Wenn du das heutige Beitragsbild anschaust….

Hast du erkannt, was es ist?

Kommt dir dieses Spielbrett bekannt vor?

Hmm…. Da war doch mal was?

Das war doch noch im alten Jahrtausend…

Erinnerst du dich?

Es sind die Achziger- die Zeit des Aus-/Auf/Umbruchs, die ganze Welt organisiert sich neu, öffnet seine Grenzen, wird neu erfunden.

In genau dieser Zeit bin ich gross geworden, ein 70er Kind in den 80ern. Ich hatte das unwahrscheinliche Glück, auf dem Land in einem grossen Bauernhaus aufzuwachsen. Dies hiess aber auch, kilometerlange, topographisch anspruchsvolle Schulwege, im Sommer mit Velo, im Winter mit Schlitten. Nix da Schulbus, Mamitaxi.

Das hiess im Winter Eisblumen an den Vorfenstern, Holzhacken, Chriesisteichüssi. Aber auch Schnee- rüüdig vill Schnee.

Und trotz all den Entbehrlichkeiten, die Milch kam halt noch warm von der Kuh und nicht aus der Migros. Kleinstklassen (In der Grundschule bestand meine Klasse aus zwei Mädchen und mir) verlangten einiges ab, so wurde kein Werken durchgeführt- ich musste in die Handarbeit. Zum Turnen war einerseits das Schulzimmer da, oder es musste zirka 5 Kilometer mit dem Velo in die nächste Mehrzweckhalle gefahren werden. Schwimmen im Sommer war sogar ausserkantonal- das Freibad Maschwanden mit seiner Bienen Naturwiese und dem arg kalten Wasser bleibt mir bis heute in Erinnerung. Sowie der elend steile Heimweg (11 Kilometer) von 400 auf 550 Meter über Meer.

Heute schlicht undenkbar.

Das Aufwachsen war einfach, die Freizeit fand viel draussen statt. Benachbarter Bauernhof und sein Umfeld wurde bis in die letzten Ecken erkundet. Mit Heuballen ein kooles Labyrinth gemacht. Dem Bauern beim Hühnerschlachten zugeguckt, durch die Maisfelder gestöbert und Champignons drin gefunden.

Es war für mich auch sehr faszinierend, zu den Grosseltern in die Stadt nach Zug gehen zu dürfen, oder eine meiner zahlreichen Cousinen/Cousins zu besuchen. Meist spielten wir da zusammen drinnen, bei schlechtem Wetter.

Sonst draussen. Ich behaupte glaub mit Recht, sämtliche Winkel der St.Oswaldskirche in Zug zu kennen- war das für mich als Bub sowas von spannend, hier rumzuerkunden. So habe ich auch unter gütigen Augen meines Grossvaters den Kirchenschatz ganz genau angucken dürfen, oder das Kirchengeläut via Knopfdruck gestartet. Ohja!

Treffen wir Verwandten mütterlicherseits uns-meist um Weihnachten- dann gabs ein von uns Enkeln einstudiertes Krippenspiel, welches wir vorgängig auswendig lernten und uns sogar zur Probe trafen. Ein grossartiges Bühnenbild vom Vati unterstützte uns immer, handwerklich war er immer sehr kreativ und geschickt. Was er in seiner Bauhütte fabrizierte, hatte Bestand. Die Corbusierliege, oder auch mein Nachttisch sind nur einige der vielen kreativen Ideen, welche aus seinem Kopf sprühten. Diese schöne Eigenschaft habe ich von ihm geerbt, unter anderem.

Der Ofenbank in der Egg oder die Pavatexplatten, welche sicher 2×4 Meter auf dem Dach des roten Ford Fiestas befestigt wurden. Nur um als schön bemalte Reklametafel anzukünden, dass auf der Egg ein Langlaufrennen stattfindet- Ooohja- Wir haben, wann immer möglich eine Langlauf Loipe gemacht im Winter. Besagter Fiesta kam so mit der Reklametafel von Zug bis zu uns nach Hause. Hammer!!

Wie erwähnt, eine unbeschwerte, schöne Zeit. Man nimmt ja die guten Zeiten mit.

Es war auch eine Zeit, wo im Winter drinnen gespielt wird- Gesellschaftsspiele wurden erschwinglich und salonfähig. Ich erinnere mich noch sehr gut- im Esszimmer den Tisch zu einem runden Tisch zusammengestossen- Monopoly gespielt. Manchmal haben wir es halbfertig stehen lassen, und bei einer nächsten Gelegenheit weitergespielt. Bei einem 8- Zimmerhaus plus der Dachstuhl des ehemaligen Saustalls (die sogenannte Fäschthütte), sowie noch einer nie genutzer 3 1/2 Wohnung plus riesigem Estrich…. absolut kein Problem. Und wenns schön war, oder schneite, hat man draussen unendlich viel Umschwung gehabt- Laubhütten gebaut, Bach gestaut, Kühe vertrieben, Chriesi ab dem Baum gegessen. Den blühenden Lindenbaum raufgeklettert, durch die Bachröhre gegruselt, Froschleich und Rüebliraupen nach Hause gebracht.

Ich bin, bis ich in die Lehre ging, immer mit dem Velo zur Schule, erst dann besorgte ich mir ein Cilo. Ein Töffli. Und bin nach Muri gehöttert. Und zwei Jahre später, endlich das Motorradbillet im Sack, Sommer wie Winter mit dem Sackgeldzerstäuber zur Lehre und bis nach Aarau wöchentlich in die Gewerbeschule. Teilweise wars so kalt, dass der Gasschieber im Motor eingefroren ist, und ich irgendwie mit wärmen diesen wieder lösen musste.

Als es einmal so dermassen regnete, dass es sogar die Autobahn in Aarau unter Wasser setzte- wer musste genau da zur Abschlusstheorieprüfung in die Gewerbeschule? Du ahnst es… Oh ja- knapp, aber trotzdem hab ichs noch zeitig geschafft, aber eben, so was braucht du echt nicht an einem solchen Tag!!

Klar waren da an meiner Kindheit auch Misstöne. Logisch ist es gemein, der grosse Bruder hat mit wenig Lernen die höchste Mittelschule besuchen können, während ich mit viel Büffeln mehr recht wie schlecht die Sekundarschule durchlief. Er war auch immer der Sportliche, während ich eher der Behäbige, Introvertierte war. Er der Ordentliche- Ich der Chaot (heute würde man kreativ dazu sagen).

Dafür musste er als Füsilier ins Militär- Ich halt als Bundesrocker- sprich Motorradfahrer. Ha!

Nein, ich hege keinen Groll, sehe auch absolut keinen Grund dazu. Ich habe nicht das Gefühl, deswegen was verpasst zu haben.

Ich bin meinen Eltern wirklich sehr dankbar, konnten wir beide unbeschwert und mit viel Umschwung und Freiheiten ins Leben starten. Ideales Rüstzeug für das spätere selbstständige Leben. Ein unbezahlbares Geschenk.

Auf keinen Fall möchte ich das Rad zurückdrehen, und zurück in diese Zeit. Nein, ich trauere nicht nach- Aber erinnern tu ich mich trotzdem sehr gerne und in grosser Dankbarkeit.

Kategorien: Persönliches

0 Kommentare

christahartwig · Februar 15, 2018 um 10:02

Dem «Gefällt mir» möchte ich hier gerne ein «sehr» anfügen. Was für ein schöner und Ausflug in eine Schweizer Jugend.
Das Bild zeigt eine besonders spannende Variante von Monopoli? Die Aufforderung «Zahle 20.000. für eine Filmexpedition über den Hochzeitstanz der Alphörner» ist wirklich lustig. Ich kannte mal eine junge Frau, die Monopoli-Spiele aus der ganzen Welt sammelte. Dieses hätte sie bestimmt begeistert (wenn sie es nicht schon hatte).
Viele Grüße aus Berlin!

    Remo · Februar 15, 2018 um 10:26

    Vielen lieben Dank für das Kompliment.
    Das Spiel heisst Mankomania, war von MB und es geht darum sein Geld zu verschleudern- quasi die Antwort auf‘s Monopoly. Ich hab es im Brockenhaus wieder gefunden, und musste es einfachhaben 😉. Und es hat mich zum Schreiben dieses Artikels verführt…

      christahartwig · Februar 15, 2018 um 10:35

      Klasse! Ein Anti-Monopoly – daran würden meine Tochter und mein Schwiegersohn, die beide Gesellschaftsspiele mögen, bestimmt Spaß haben. Mit zwei kleinen Kindern kommen sie nicht oft dazu auszugehen. – Dann hoffe ich mal auf weitere so interessante Artikel. 🙂

        Remo · Februar 15, 2018 um 10:38

        Viel Spass beim Stöbern, ich geb‘ mir Mühe.

Katja Putzu · Februar 26, 2018 um 19:17

Bin auch gerade in diesen wunderbaren Erinnerungen geschwelgt – war doch das ein oder andermal mit dabei,
ob in der Egg oder natürlich in der Oswaldsgasse…… ohhhhh, so schön gsi!
Danke Remo für die schönen Erzählungen!
Bisch ä tollä!

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