Leider müssen wir Abschied nehmen von unserer geliebten Katze.

Es kam dermassen überraschend, wir sind immer noch in einer Art Wachtraum, probieren zu realisieren, was da geschehen ist. Versuchen uns mit der traurigen Endgültigkeit irgendwie zu arrangieren.

Sorry, aber ich brauche das jetzt, möchte dies niederschreiben, um mich auch so von ihr zu verabschieden, um mich später wieder daran zu erinnern wie einmalig schön es mit ihr war, um den Schock zu verarbeiten.

Ich weiss noch genau, als wir uns nach langer Diskussion im April 2004 entschieden haben, uns ein Büsi zuzulegen. Das Inserat im alten MParc in Ebikon, indem 4 herzige schwarze Büseli’s ein neues Plätzli suchen. Die Fahrt ins Seetal, nach Sulz. Die Wahl fällt auf das schüchterne kleine Kätzchen hinter dem Stuhl, die Andere war rollig und kommt so nicht für uns nicht in Frage.

Damals noch an der Gartenstrasse wohnhaft, ist uns sofort klar, dass dies ein Wohnungsbüsi wird, weil wir im 3. Stock keine Auslaufmöglichkeiten in den Garten haben.

Aber man arrangiert sich, wir gewöhnen uns an unser neues Familienmitglied. Sein provisorischer Name Finöggeli gefällt uns gar nicht. Bricola (schwarze Kohle)? Wär auch was. Aber da sie in dieser Phase gerne einen fahren lässt (smile), taufen wir sie Fresh.

Eigentlich heisst sie mit vollem Namen «Fräulein Fresh Fein-von Krümmelschwanz», weil sie immer die Schwanzspitze hin und herbewegt.

Passt zu ihr.

Schigg und vornehm.

Die Diva vom Land.

Die Zügelei ins Hochhaus hat Fresh gut mitgemacht. Schnell fühlt sie sich hier zuhause. Wir basteln ihr Schlafplätze, sie bekommt einen Alessi(!)-Fressnapf und sie geniesst es, auf dem Teppichboden «Astronaut» zu spielen. Auf der Seite liegend, die Füsse an der Teppichleiste, scheint sie schwerelos zu laufen.

Nun, im 5. Stock zuhause, geniesst sie auch den Ausblick über die gesamte Wohnsiedlung. Unter Aufsicht darf sie auch auf den Balkon. Sie liebt es, auf dem dünnen Eisengeländer zu gehen, und uns damit zu ärgern, weil wir so immer Angst haben, dass sie runterfallen würde.

Einmal ist es passiert, ich am Morgen noch auf dem Sofa chli entspannen, bevor es zur Arbeit geht. Plötzlich sehe ich unseren Racker draussen auf dem Fenstersims. Mein Herz stockt. Sie in Seelenruhe guckt sich die Gegend an, läuft hin und her.

Ich gehe langsam zu ihr, versuche ruhig zu bleiben und sie zu mir zu locken. Fresh wendet sich mir zu, rutscht aber auf dem abschüssigen Metallsims aus.

Und fällt!

Sch….!

Ich greife nach ihr, komm jedoch nicht ran. Muss zusehen, wie sie fällt.

Fällt.

Fällt!

Horror!

Irgendwie breitet sie intuitiv die Beine aus, es scheint, sie bremst damit den Flug etwas ab. Sie landet im Gebüsch, ich sehe noch wie sie drin verschwindet. Mit einem «D› Fresch isch vom Balkon gheit»!!! stürme ich aus der Wohnung und düse mit dem Lift nach unten, umrunde den Block und höre das Miauen unserer Katze. Durch die ungewohnten Geräusche ist auch der Nachbar im Erdgeschoss wachgeworden, im Nachthemd und Schlafmütze steht er auf der Terrasse (hihihi). Ich nehme die Katze auf meine Arme, sage schnell «Hoi Bruno, isch mini Chatz, alles in Ornig», und bringe sie wieder nach oben.

Wir staunen, keinen Bruch, keine Schramme trägt die zutiefst erschrockene Katze!

Was sind wir froh! Katzen haben eben doch mehrere Leben.

Ich, aber ich habe ein paar graue Haare davon gekriegt, glaub’s mir.

Als es dann noch einmal einen Schub weiter nach oben ging (wir haben die Gelegenheit gepackt, als unsere jetzige Wohnung frei wurde, und sind 6 Stockwerke nach oben gezügelt) fühlt sie sich gleich wieder wohl, haben die zwei Wohnungen den gleichen Grundriss, und die Möbel blieben auch in etwa gleich.

Wir haben uns immer gesperrt, ein Netz auf dem Balkon zu montieren, die Aussicht ist nie so schön. Unser Vierbeiner hat auch niemehr versucht, auf Fenstersime oder Geländer zu steigen. Höchstens mal mit den Vorderpfoten auf die Brüstung zum Gucken. Und wie gesagt, unbeobachtet geht sie nie nach draussen. Sie liebt ihr Reich, und immer wieder staunen wir, wo sie sich wieder versteckt, um uns zu ärgern.

Könnte sie kichern, würde sie es.

Sie ist eh ein Gioiello! Schläft die ganze Nacht, und steht mit uns frühmorgens auf, dann gibts Futter. Dann entspannen auf dem Sofa. Verstecken spielen. Essen. Schlafen. Am Abend chli wach sein, essen, auf dem Sofa entspannen. Dann verschwinden, und nach zwei Stunden uns Zwei holen kommen- Ey Leute, Schlafenszeit, geht ins Bett!

So richtig herzig und süss.

Nie hat sie unsere Möbel zerkratzt, oder die Vorhänge zerfetzt. Sogar der Weihnachtsbaum mit Kugeln bleibt unbehelligt, aber drunter liegen und füre gucken- ohja, Gerne! Sie hat ihren Stuhl, den sie bekratzen darf und kann und tut.

Da sie keine typische Schmusekatze ist, und sie schnell verschwindet wenn Besuch kommt, ist sie eher unscheinbar und sehr selbstständig. Wir können uns sogar erlauben, 3-4 Tage ins Tessin zu gehen, und sie alleine mit genügend Futter und Wasser zuhause zu lassen. Klar war die Katze möff, weil wir sie alleine lassen, und tut dies bei unserer Heimkehr laut kund. Aber nach kurzer Zeit ist wieder gut.

Sie amigs mitzunehmen, wäre für alle unnötiger Stress.

So gehen die Jahre (über 14) ins Land, wir gehören alle drei zusammen. Die Transportkiste fürs Büsi wird nur einmal gebraucht, als wir sie nach dem ersten rollig werden sterilisieren lassen. Wieso sollten wir auch zum Tierarzt, die Katze ist kerngesund, isst, trinkt, spielt, schläft, schnurrt.

Da sie ganz schwarz ist, haben wir im Dunkeln vielmals nur ihre leuchtenden gelben Augen gesehen.

Mit fortschreitendem Alter wird sie zutraulicher, springt nicht gleich davon wenn wir Besuch empfangen. Auch hat es sich eingebürgert, dass wenn wir in die Ferien gehen, einen Catsitter engagieren. Uuuh-Ihn hat sie immer innig geliebt, hat sie doch danach immer mehr auf den Rippen als vorher,

Schlitzohr.

Das letzte Foto (siehe oben) von ihr ist letzten Mittwoch entstanden, völlig normal und zwäg, nach einer Verschnupfung und Antibiotikakur scheint es wieder aufwärts zu gehen.

Leider hat sich danach der Zustand dermassen rasch verschlechtert, dass wir Samstags in die Klinik müssen, und diese ohne Katze mit einem sehr flauen Gefühl verlassen.

Das Telefon am nächsten Morgen rief uns zu ihr, ein letztes Aufbäumen, wir müssen sie gehen lassen.

Mit der guten Gewissheit, dass sie sich von uns noch verabschiedet hat, und wir sie auf dem letzten Gang begleiten durften, hinterlässt sie uns nun eine immens grosse Leere zuhause.

Wir hätten vor Wochenfrist niemals die Ausmasse abschätzen können, wie sehr sie uns jetzt fehlen wird. Hinter jedem Ecken erwarten wir auch heute noch ihre leuchtenden Augen, ihr leises Tapsen, das vertraute Miauen.

Liebste Fresh: Vielen Dank für die wunderschöne Zeit, danke dass du uns all die Jahre soviel schöne Freude bereitet hast. Wir hoffen- Nein wir wissen- du hast uns auch geliebt.

Wie du, da gibt es keine mehr.

Wir vermissen dich! ♥️

Kategorien: Persönliches

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