Langsam breitet sich der Virus aus- Noch sind wir immun, aber wie lange noch? Können wir widerstehen, oder schwappen wir mit mit dem Fieber?
So dramatisch das tönt, so schnell ist› s auch wieder vorbei. Wir laufen höchstens in die Gefahr, zwei Tage im Delirium zu sein, oder apathisch das Weite zu suchen.
Zur Erklärung: In Zug -meiner Geburtsstadt- wird in drei Wochen der Schweizer Nationalsport schlechthin zelebriert.
Nein, kein Goldbarrenwerfen, oder Schoggiwettessen. Weder Geldstaffetten noch Fondueweitwurf. Ein ganz anderes Grossereignis steht an: Es ist Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest.
Tönt chäch.
Ist es auch.
Schwingen ist seit dem 13. Jahrhundert in der Schweiz verwurzelt, also so alt, wie die Schweiz selber. Es ist eine Sportart dem Freistilringen ähnlich, nur nicht mit so engen (!) Kampfsuits. Hier der Link, was das Internet als Definition an Infos dazu liefert. Die Anlässe, nach festem Muster und in Sektionen den Schweizer Regionen unterteilt, sind geprägt von Sägemehl, Villiger Krumme, Bauern, Gabentempel, Volkstümlicher Musik, und kernigen Mannen.
Folklore pur.
Da wird neben dem Sägemehlring sinniert, politisiert, diskutiert. Meist ist da der eher ländliche, tief in der Tradition verwurzelte Schweizer anzutreffen. Der Landwirt, der etwas Eigete, in seinen Bart grummelnde, pfeifenrauchende, Edelweisshemdtragende.
Mittlerweile ist der Sport chli salonfähig geworden. Ich mag mich noch erinnern, als ich in den späten ’80ern mit dem damaligem Schwingerkönig Ernst Schläpfer ein Interview machte für die Schülerzeitung, von meinen Mitschülern sehr schräg angeguckt wurde. Henu. Es kann nicht jeder den Sport mit den «unterarmtätowierten Pussys» (Originalzitat Büne Huber, Sänger von Patent Ochsner) mögen.
Seit jeher gibts Kantonale Schwingfeste. Regionale Schwingfeste, und als Königsklasse das Eidgenössische Schwingfest. Da wird jeweils auch der aktuelle Schwingerkönig gekürt. Dieser mittlerweile Grossanlass findet alle drei Jahre statt.
Heuer eben in Zug. Quasi vor meiner Haustür. Bereits seit 6(!) Jahren planen sie an dem riesigen Event, welche nur ein Wochenende dauert. Man planiert eine Wiese- legt Trainagen, fällt Bäume. Alles unter dem Vorwand, besonders nachhaltig zu sein. Denn nach dem Fest wird alles wieder rückgebaut, nur das ausgeebnete Feld bleibt.
Ab und zu lesen wir was, nerven uns ab dem OK-Präsident, welcher sich gekonnt sonnt- Sorry ich mag den nicht, Ba!
Auch beginnt man mit dem Aufbau der weltweit grössten mobilen Tribüne (Fassungsvermögen 56’000 Personen- so grosse Stadien besitzt die Schweiz ja gar nicht, das aktuell Grösste (das Joggeli in Basel) vermag grad gute 38’000 Leuten Platz zu geben).
Immens.
Für die kleine Stadt Zug.
Hotels sind schon länger Mangelware, und manch einer verdient sich die Monatsmiete seines Deheime, indem er ein Zimmer räumt und eine Übernachtungsmöglichkeit für das betreffende Wochenende anbietet. Auch der neu erstellte provisorische Campingplatz ist im Nu ausgebucht.
Tickets für die Arena gibts keine mehr, die wurden verlost. Und sind mit 250.- für zwei Tage recht happig.. Im Onlineauktionshaus werden astronomische Preise verlangt und aber auch bezahlt.
Mit drohendem Meimei-Finger hebt der ach so beliebte OK-Präsi die Stimme, das sei nicht nett, und nicht gültig- zu teuer erworbene Tickets verfallen ohne Anspruch auf Ersatz. Also mein Platz könnte schon weiter vergeben werden, obwohl ich ihn bezahlt habe? Will der eine leere Arena (die Tickets sind ja alle zu teuer…)? Wie will er da ein Chaos verhindern? Oder ist das wieder nur politische Angstmache? Kommt mir vor wie eine kindliche Drohung «Ich sags dem Mami, wenn du mir das nicht gibst!»…
Henu-Wir sind nicht bereit, söfu Geld auszugeben, für das man schiinz nicht sicher ist, wirklich seinen nummerierten Platz zu kriegen. Ist ja wie bei den Airlines, wo man für Sitzreservation zahlt, aber einen anderen Platz (wenn überhaupt) zugewiesen bekommt…
Was aber nicht heisst, dass wir gar nicht am Ereignis teilnehmen werden. Auf das grosse Festgelände darf man auch ohne Eintrittskarte. Und diese Atmosphäre wollen wir ja dann doch schon erleben- So was werden wir so nahe warschindli nümm erleben können.
Drum halten wir uns das Datum frei- Wir könnten nämmli mit dem Velo hinpedalen, chli flanieren, luegen, und dann wieder heimradeln. Tönt doch gut oder?
Wir haben auch mal geliebäugelt, ob wir uns als einer der 900 Chrampfer melden sollten, Helfer hinter dem Anlass werden laufend gesucht. Wär doch noch was? Nö- Eigentlich haben wir keine Lust zu schaffen.
Aber wir nehmen immer wieder Augenschein vor Ort, sehen wie die immense Arena Stück für Stück aufgebaut wird. Da verdient aber auch einer geNüssli am Gerüst, hm?
Eines Abends, wir umrunden gemeinsam mit meinem Mami zu Fuss das Arena-Gelände, gelingt uns mit dem Händy eine wirklich gute Foto, die einbrechende Nacht mit den Wolken und das durch die Tribünen scheinende Licht ist sehr speziell. Wir sollen das Foto der Regionalzeitung einsenden, die suche noch für einen Wettbewerb Fotos vom ESAF. Noch ’nen witzigen Spruch drübergelegt- Wer weiss, es gibt Tagestickets fürs Schwingfest zu gewinnen. Ach- Da haben wir eh keine Schangse, aber das Foto finden wir alle gut.
Wir witzeln, die Tickets- Falls wir welche gewinnen sollten- z’leid im Auktionshaus loszuwerden.
Das Bild war anderntags in der Onlineversion der Zeitung, wurde aber alsodann gelöscht. Eine Person sollte ein Plakat hochhalten, mit dem Grund,weshalb grad wir ans ESAF gehen sollen… So lautet der Einwand aus Luzern, äh Aarau, äh, der Redaktion.
Och- sowas Lahmes, meine Güte- Ächtetz??!!
Nun gut- Wir machen uns an ein zweites Sujet, längst nicht mehr so originell, aber durchaus auch gut (siehe Bild).
Dieses wurde mit 34 anderen Einsendungen angenommen, und in einen Voting-Wettbewerb geschickt. Gleichzeitig erscheint ein Artikel über einen Pädagogen, welcher seine Geschichte über das Bild und wie es entstand, wirksam erzählt.
Hey- unfair! Das verschafft ihm lange Führung, wurde schlussendlich auch 2.
Dann gabs noch die, welche noch tiefer stapeln. Kinder sind Jöö, Kinder sind achsohärzig- schicken wir doch unsere (!) Kinder einzeln ins Rennen um Tickets. Das Einte führte sehr lange, langsam konnte ich das Gesicht (sorry, das Kind kann wirklich nix dafür) nicht mehr sehen. Und ihre gesamte Sippschaft auch nicht.
Schiebung!
Die Strategie ging fast auf, auch wenn man ihre Plakate nicht wirklich lesen konnte. Soviel ich mitbekam, kamen schlussendlich von den fünf Fotos nur eines in die Ränge.
Tja…
Dann hatte es würkli gute Ideen- Eine, die uns frech mit Fernglas kopierte, und viele Fragwürdige, welche sich nicht an die an uns auferlegten Wettbewerbsbedingungen hielten- Ich vermute, dass die zugelassen wurden, weil zuwenig Anmeldungen eingingen.
Ich hab dann all meine Verwandten, Kollegen, Bekannten zum Voten aufgefordert- Heutzutage heisst das, man macht einen Whatsapp-Chat, wirft den Link und die Aufforderung zum stimmen rein. Und wartet, bis was geht.
Und da ging was!
Wir liegen recht gut. Komfortabel auf Platz 5 , manchmal 7.
Easy.
Als uns der Trick mit Mehrfachvoten gezeigt wurde, haben wir den auch ausgenutzt. Sorry Leute- ihr spielt unfair. Der Lehrer, von einem Zeitungsartikel gepusht, ein Jöö-Kind (welchem das Ticket garantiert weggenommen wird, weil Mama und Papa gehen wollen)… Und teilweise schleudern ihre Klicks in astronomische Höhen.
Also haben wir etwa zu fünft dafür geschaut, dass wir es aufs Podest schaffen. Hinter dem Kind (in Tracht, sooo süss…) und dem Lehrer («für meinen Vater», sooo süss).
Irgendwie wollte es uns aber «de Grind» nicht zugeben, hintendran zu stehen. Nicht hinter diesen «subventionierten» Zwei.
Also voten wir weiter. Alle 10 Minuten sind ca. 10 Votes möglich. Schnell knacken wir die 100 Likes, bald 500, und der 1000ste.
Auch die anderen Mitstreiter machen wacker mit, wir schwimmen alle auf dem «Cache-leeren»- Trick. Da ist nix mit Fairness.
Wir vergeben wenigstens den guten Fotos -Also das mit dem Schwingerhosenrock ist ämel noch gut (wurde auch Dritte schlussamänd). Und stimmen weiter mit schnell schwindendem Datenvolunen weiter.
Es wird zur Zeitverplämplerung, immer wieder voten wir. Setzen uns mit 2000 Stimmen auf Platz zwei.
Als wir mit 2100 Stimmen den 1. Platz erklimmen, geben wir den nicht mehr her. Unser Ergeiz war gepackt.
Eigentlich gings uns nicht um die Tickets, eigentlich gings uns ums darum, vor den Gepushten zu sein. Wir hätten längst aufhören können- Die 16 ersten Plätze kriegen 2 Tickets.
Aber äbe. Der Ehrgeiz.
Es war noch zwei- dreimal chli knapp, aber wir gaben die Führung bis zum Schluss nicht mehr ab. Und schliessen mit knapp 3000 Votings auf dem ersten Platz ab.
Woo-hoo!
Aber wir wollten ja gar nicht gehen??
Oder äben doch?
Habens doch verdient, nid?
Warten nun auf die Tickets. Und hoffen auf schönes Wetter- Regenschirme sind da ein No-go!
Gerade flattert die Meldung (auf unser Nachfragen) herein- Wir hätten Tickets für den Sonntag, und diese seien per Post unterwegs.
Okeeee, hmmm- wenn ich das Auswahlverfahren vorher gekannt hätt, hätte auch ich ein 2. Foto eingesandt, und es auf den Platz 16 gevotet. Denn wenn die ersten 8 für den Sonntag, die zweiten 8 für den Samstag Tickets bekommen, hätten wir so 2 Tickets für Sonntag, zwei für Samstag.
Aaaaah- Drum haben die mehrere Fotos eingesandt, und nur eines gepusht (zum Beispiel der Pädagoge und die Eltern des Meitlis…..).
Da geht mir doch ein Licht auf?
Eine Verschwörung?
Aber das geht nun bereits Richtung Illuminati und so.
Der Bericht in der Zeitung bringt den Pädagogen- herzerweichend. Vorallem weil er durch den Bericht von verschiedenen Seiten zusätzlich noch acht Stück Tickets angeboten bekam.
Wie bitte?!! Halloo?
Langsam bezweifle ich auch, dass die 14 Millionen Franken (250.- mal 56’000 Plätze) für Tickets eingenommen werden. Da wird doch bös gemauschelt, hintenrum verschenkt, da ist die Mafia doch ein Kindergarten dagegen.
Egal.
Danke allen, welche uns so tatchräftig unterstützt haben.
Wir haben die Tickets nun dehei.
Und rüüdig Freud.
Punkt.
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