Das Leben bringt doch alleweil Sachen daher, welche neben Negativem durchaus auch Positives zeigen kann. In diesem Sinne habe ich eine Woche hinter mir, welche mir sicher bleiben wird. Mit Hochs, und Tiefs. Wellenartig. Widerkehrend. Schmerzhaft und lösend.
Eine Achterbahnfahrt.
Für Schnelleser die Kurzfassung: Ich hab einen Nierenstein, und sechs Tage Spital hinter mir. Eigentlich hätte ich da ein Tagebuch führen können, ich hab hier in der Zeit so viel erlebt, gäb echt eine eigene Rubrik. Nur hätte man diesem Kapitel im Verlauf angemerkt, dass es immer böser worden wäre, weil mein Nervenkostüm immer fragiler, und das Unverständnis, Leute im 2019 mit einer überzogenen Verblendetheit so zu behandeln. Da ist ein Resümee im Nachhinein geschrieben doch sachlicher, neutraler. Und ehrlich gesagt, hatte ich auch die Kraft für täglichen Rapport nicht….
Begonnen hat die Sache vor einer Woche mit abnormalen Schmerzen in der Bauch/Nierengegend. Krampfhaft und Kolikmässig. Trotzdem ging ich Trottel arbeiten, das heisst 1 1/2h Zugfahren hin zum Büro. Es war die Hölle! Beim Arbeitgeber dann quasi rechtsumkehrt, im Zug retour eine Pizza gelegt- Nochmals 1 1/2h Hölle pur auf dem Heimweg! Gottseidank hat mich mein Mami am Bahnhof abgeholt und nach Hause gebracht. Dieser Krampf hat mich halb im Delirium schlussendlich in mein Bett gelegt. Ich wollte nur noch schlafen.
Der nächste Tag war aber wieder recht ruhig, ich rekonvaleszierte im Bett vor mich hin. Wahrscheinlich was Falsches gegessen…
Die Nacht auf Donnerstag hat dann aber wieder zugeschlagen, ich bin sicher sechsmal aufgestanden, Stunden auf dem Klo verbracht (ausser Pipi ging da nix)- mühsames Tamtam. Irgendwann wurde Morgen- und wir entscheiden uns, in den Notfall des Kantonsspital’s zu fahren. Schon wieder halb im Delirium habe ich meine Personalien aktualisiert (war seit 20 Jahren nicht mehr im Spital), und wurde sehr schnell in eine der Kojen verfrachtet. Wir gingen immer noch davon aus, es sei eine Lebensmittelvergiftung des im Vorblog erwähnten Schinken’s.
Kompetente Abklärungen mit Ultraschall und CT zeigten jedoch:
Da ist ein Nierenstein im Harnleiter!
Oh!
Was?
Dann gings extrem schnell: Um den Mittag lag ich schon in Vollnarkose auf dem Schragen- es solle mir ein Pigtail implantiert werden (eine Umleitung der Harnröhre via Schlauch von Niere zur Blase), um einen Nierenstau und Bakterienkulturen in der Niere zu eliminieren. Zägg, und ich liege mit Infusion am Arm und Katheter ( du weisst ja wo…) ganz alleine im Viererzimmer auf der Station.
Soweit. Sogut.
Immer wieder kommen nun diese kolikartigen Schmerzschübe- ich kriege dann kalte Hände/ Füsse und Nase. Kalten Schweiss auf Arm und Bein, mein Kopf glüht. Und diese stechenden Schmerzen auf der Seite- So wie das Seitenstechen nach dem spörtlen, wenn zuwenig Sauerstoff im Körper ist. Es krampfen meine Finger, ich bin kreideweiss, und halb im Nirwana.
Absolut nicht empfehlenswert- Würkli nid!
Das Personal hier kümmert sich sehr liebevoll um mich und man kann durchaus mal auch einen «Seich» machen. Also ich erst mal nur in den Beutel.
Was mir aber vorgängig schon immer missfiel, und ich deswegen schon fast Streitereien hatte, hat sich halt wieder einmal bestätigt: Ich hatte in der Zeit, in der ich hier war sicher 50 verschiedene Bezugspersonen. Das Personal wechselt sich drei-bis viermal täglich. Das einzig Konstante ist der Hausdienst, da sind immer die Gleichen. Und das tut dem Patienten gut.
Chli Ruhe.
Gleichmässigkeit.
Geregelter Ablauf.
DAS sucht und braucht der Patient.
Klar, müssen mehrmals täglich Rapporte abgegeben werden bei der extremen personellen Rotation-Fluktuation. Und das am nächsten Morgen nicht mehr die gleiche Behandlung gegeben wird, ist halt eine Sache des Individuums. Der Baum ist echt morsch. Aber immer noch ist der Baum der Überzeugung, er blühe im Vollsaft. Dabei wär so wichtig, auch mal hineinzuhorchen, die Seite zu hören, um dies ja geht bei den pflegenden Berufen.
Dem Patienten.
Kann mir doch keiner bestätigen, es gerne zu haben, von vier verschiedenen Personen täglich betreut zu werden- nach einander, wohlgemerkt. Man diesen vier verschiedenen Personen die gleiche Story – und sei es nur die Konsistenz des Stuhlgang’s- täglich zu erläutern. Hat zwar ja nix mit meinem Nierenstein zu tun. Steht jedoch alles in der Doku. Und wird sicher jedesmal rapportiert.
Und dies täglich wechselnd.
Ein anderes Episödeli ist mir grad eingefallen- Während ich so auf den Doktor warte (Arztvisite…), die möchte ich hier auch mitgeben, wie ich sie erlebt habe. Es geht mir nicht drum zu diffamieren, zu schulmeistern oder belehrend zu wirken. Ich verzelle es hier rein sachlich, als Patient:
Wenn man bedenkt, dass ich in diesen sechs Tagen 50 verschiedene Personen hatte, und jede sicher 10 mal den Blutdruck gemessen hat- kannst selber ausrechnen, wieviele Werte auf meiner Kardio sich tummeln. Die Werte waren unterschiedlich, mal tief, mal hoch. Halt je nach Schub, Tageszeit, seelischer Verfassung. Da habe ich ein regelrechtes Alpenpanorama an Werten. Nun gut. Ich zweifle die Zweckmässigkeit dieser Messmethoden immer mehr an, nicht die Messung an für sich, aber die Häufigkeit, Unterschiedlichkeit und Diversität der Messgeräte (von Vollautomat bis Vorkriegsmodellhandapparat) und der anwendenden Personen- du Erinnerst dich an die Zahl?- Ist dermassen artenreich, da gibt Kombinationsmöglichkeiten, mehr wie Vogelarten. Und das soll verlässlich sein, liebe Leute?
Darf ich noch einen drauflegen?
Schwester A kommt mit dem Blutdruck-Automaten, legt die Manschette um den Oberarm des Patienten. In dem Moment streckt Schwester B den Kopf zur Tür herein und sagt: «Kommst du?» zu Schwester A. Diese sagt «Ja!» Und startet den Vorgang des Messens automatisch. Stürzt währenddessen «muss an den Rapport» zur Tür raus. Lässt den verdutzten Patienten- sagen mir mal- stehen. Das Gerät pumpt- misst, und schaltet in den Wartemodus. Alles tipptopp.
Äh? Den Vorgang hätte man doch nun wirklich zu Ende begleiten können, keine zehn Sekunden später wären die Werte ablesbar ab Display gewesen.
Was denkst du, was macht Schwester A als Erstes, wenn sie bereits nach 5 Minuten Rapport wieder da steht? Logo, sie misst den Blutdruck nochmals.
Ich muss fast laut loslachen, nur eine neuerliche Kolik hält mich davon ab, es nicht zu tun.
Kann ich nüm ernst nehmen.
Liebe Pflegende, ihr macht einen tollen Job, ihr wisst mehr über den Patienten als ein Assistenzarzt, seid kompetenter als jeder Oberarzt, welcher nach Gutdünken chli Medis verschreibt (Die haben da sicher Aktien), aber das Ziel habt ihr endgültig aus den Augen verloren! Dem Patienten helfen, dem Patienten unterstützen, dem Patienten die dringend gebrauchte Sicherheit geben. Weil wenn er kommt, ist er unsicher, angeschlagen, und sucht Hilfe.
Dies aus der Sicht eines Patienten, und der hat sogar auch mal in einem Kasak gesteckt.
Dass es obenussen mit der Kommunikation nicht funktioniert, ist ein anderes Thema. Aber ihr seid es, die wichtig seid! Macht das, wofür ihr gerne einsteht. Verliert nie den schönen Wunsch, für andere da zu sein. Aber formiert euch doch endlich, steht für regelmässige Arbeitszeiten, für die Achtung vor dem Beruf ein. Die ganze Industrie weltweit hält mit Drei-/ Vier- oder gar Fünfschichten den regelmässigen Betrieb aufrecht!
Und kommt mir ja nicht mit zuwenig Fachkräfte: Weil da schiesst endgültig mein Puls in die Höhe (…muss dann wieder Blutdruckmessen…), für eine gesunde Einstellung zur Pflege braucht es kein Diplom, da braucht es gesunden Menschenverstand. Und den haben wir alle, meistens ämel.
Meines Erachtens habt ihr im Selbstmitleid aufgegeben. Sätze wie: Ich habe jetzt grad die Energie nicht, um mit dir das Problem zu diskutieren, mag für euch stimmen, das Problem von euch weg zu schieben, statt zu lösen. Mit Gspüürschmi- fühlschmi Wischiwaschi- Kürsen einander Wattebäuschchen zuwerfen, nee! Echtetz. Und sobald man als Patient mal eine Therapie etwas in Frage stellt, seid ihr persönlich äusserst betupft. Und reagiert mit Abwehr und Abweisung. Dabei gehts ja gar nicht um eure Kompetenz. Die ist fabelhaft.
Du kannst mir glauben, ich hab mir dies nicht aus den Fingern gesogen, sondern genauso 1:1 erlebt. Wie ihr euch dann komplett einigelt, mit scharfen Waffen zurückschiesst. Was dann rapportiert wird, das bekommt der Patient natürlich nicht mit. Das Antibiotika (welches ja regelmässig eingenommen werden muss), ohne Info abgesetzt wurde wird mir nicht mitgeteilt. Und auf meine Nachfrage des Grundes, mit «Das hat die Oberärztin so entschieden», erwidert. Hä? Welche denn? Hab die noch nie gesehen bei mir…
Ihr könnt mir ja sonst was verschreiben?!? Wie soll ich da vertrauen? Ich bekomme ein Opiat, zur Schmerzlinderung. Dreimal. Bis ich aufmerksam darauf gemacht werde (Recherche im Internet), dass das verdammte Zeug abhängig macht wie Heroin!
Wirft aber ein extrem seltsames Bild, was ihr da tut. Auf eurer rosa Wattebäuschchenwolke.
Aus meiner Sicht als Patient.
Ich, seit zwei Tagen alleine im 4er Zimmer (!) wurde da seelisch und körperlich auf eine Achterbahnfahrt geschickt, welche sich gewaschen hat: Muss ich jetzt den Urinsack noch lange tragen? Wieso wird das Antibiotikum nach Abgabe von einer Tablette ohne Info abgesetzt? Wieso ändert die Dosierung der Medikamente schon wieder (zum 50. Mal?) Ah, jetz doch nüm ins Fläschli brünzlen, der Stein kommt eh nicht (Aber drei Tage habt ihr gesiebt). Dass der Stein nicht kommen kann, hat der Urologe schiinz ja Anfangs vermerkt.
Die letzten Tage hat die Farbe meines Urins keine Sau mehr interessiert. Mein Stuhlgang war ihnen wichtiger- Hä? Jawoll!
Und Blutdruck messen. Hihi. Aber meine deutlichen Anzeichen von Angstzuständen ignorieren.
Dann kam das Wochenende! Das auna. Also gemerkt hat man es sehr gut, das Wochenende war. Nur noch Hilfspersonal. Echt jetzt. Auskünfte konnten entweder keine gegeben werden oder nur aus dem Lehrbuch, und das gibts umsonst bei Guugel auch.
Frappant! Ich meine, ich lege meinen Herzinfarkt ja sicher auf einen Wochentag, so dass kompetentes Personal anwesend ist. Na klar!
Und immer wieder vertrösten, Falschmeinungen, Falscheinschätzungen, Falschdiagnosen!
Und der Patient musste- Am Arztrapport dem Arzt und der Pflegefachfrau die Hosen runterziehen und die Kuttlen butzen, damit was geht? Nun sind beide chli möösig, und lassen es uns entsprechend spüren.
Absolut semiprofessionel. Aus der Sicht des Patienten. Denn der zahlt euch ja auch, liebe Fachleute.
Und plötzlich gehts wieder wies Bisiwätter.
Zägg-Arbeitszeugnis, Medizinrezept, Schlussbericht- und tschüss.
Ich bin draussen. War ich zu unbequem? Zu kritisch?
Denn geheilt bin ich beim besten Willen nicht.
Also ohne fremde Unterstützung als Patient? So kraftlos und angeschlagen wie man ist, wenn man in den Spital muss. Das wird zur Sisyphusarbeit. Wirst als naiver eingeschätzt, als du es bist.
Es sind zum Beispiel gestandene Männer (sonst chli en Pascha) welcher sich nicht getrauen, dem Service zu klingeln, weil er-eben unsicher, angeschlagen und hilfesuchend-im Bett liegt.
Statt dem inkompetenten Blutdruckmessen mit Gesprächen dem Patienten die Geborgenheit geben, die er dringenst in diesen fremden Räumen braucht. Die Genesung geht so auch schneller voran.
Du findest, ich sei zu hart mit der Stethoskop-Fraktion?
Also mein Mami sagt mir immer: Ich sei zu lieb. Und das stimmt.
Übrigens- man erinnere sich- wir hatten ja Top Plätze für den Sonntag am Schwingfest gewonnen, diese konnten- trotzdem die Arena keine 500 Meter weg ist vom Spital- aus Vernunftsgründen nicht eingelöst werden. Wir haben sie dann weitergegeben an ein Pärchen, welches nochso dankbar aus dem Glarnerland frühmorgens anreisten. Durften sogar unseren Parkplatz gratis nutzen, um mit dem Bus ans Spektakel zu reisen.
Stimmt so für uns. Wir sind häppy. Und ich trage meinen Unspunnenstein nochli umen…
Mir graut vor dem Herausnehmen.
Hallo Schwester…
0 Kommentare