Alle reden von Ressourcen schonen, nachhaltig produzieren, Fussabdrücke hinterlassen. Und lassen sich vom Ausland Betten oder Wohnlandschaften mit dem Camion nach Hause liefern. Geben viel Geld aus – um zu sparen. Meist gefällts nicht wirklich, aber ’s war günstig. Hach, ja….

Muss ich jetzt der ganzen Welt kundtun, dass ich schon 40 Jahre in den Brockenhäusern stöbere, und sicher schon ganze Einrichtungen zusammen hätte?

Muss ich nicht, weil mein Blog liest ja nicht die ganze Welt- auch wenn sie es könnte. 

Und nur weil ich gerne in Brockenhäusern rumstöbern tu, bin ich noch lange nicht asozial oder randständig. Ich liebe es einfach, durch die Gesteller und Räume zu schlendern. Und hier und da zu gucken, was meinem Auge, meiner Seele gefällt.

Ich habe schon ganze Langenthaler Services heimgeschleppt (90 -teilig), Jugendstilbuffets ergattert oder einen Seekoffer bekommen.

Ich hab schon im Brocki gearbeitet, in England ein Brocki in einer Kirche entdeckt, in Paris den immensen Marché de puces (Clingancourt) bewundert, oder halt auch bedauert, dass das Brockenhuus in Baar abgerissen wurde. Bin schon auf regelrechte Brocki-Touren in der Schweiz gewesen, habe den Vide-Grenier in Fontainebleau extrem genossen. Haben schon Allerhand in Schwyz gefunden (leider gibts das nümm). In Brüssel Kristalleuchter gefunden, in Kuusamo (Finnland) ein Lämpchen erstanden. In Bülach ein sehr schönes aufgeräumtes, in Dietikon ein grüselig dräckiges Brocki gefunden. Bin schon seit Jahrzehnten Kunde in Rivera/ Tessin und auch San Feliu de Guixols(Katalonien) ist nicht vor uns sicher, wenn Flohmarkt ist.

Das heisst jetzt aber nicht, dass ich mich von Brocki zu Marché des puces bewege, wochenendeweise den Orten nachreise, wo mal wieder was staubiges rumsteht. Es ist eher so, dass ich mich umguck, wenn ich wo bin, und hats was Brockiges, ziehts mich hin. Hats nichts hübsches, bin ich schnell wieder draussen, sonst nicht.

Du meinst, dass die Wohnung demfall nur aus Zweiter-Hand-Sachen besteht, oh nein. Es ist die Mischung, die mir gefällt. Und unseren Stil bildet. Manche sagen zuviel Chichy- aber ich sage dir: Chichy ist eine Ortschaft im Burgund. Ha!

Ab und zu rümpeln wir wieder unsere Wohnung- da fliegen Schränke, Gläser, wasauchimmer. Die defekte Ware zum Ökihof, die Gute ins Brocki. Und dann selbstauferlegtes vierwöchiges Hausverbot in selbigem Brocki- sonst kaufen wir unsere Sachen wieder zurück.. Hihi.

So ist der Kreislauf geschlossen, und jemand anderes hat Freude an unserer Ware. Und wir wieder Platz für neues. So bleibt unsere Wohnung immer in Bewegung- es wär für mich das Schlimmste, eine Musterwohnung von irgend einem Möbelfuzzi zu haben, abgestimmt bis in die letzte Sofafalte, kühl und steril. Ich mag das nicht. Ich mag aber, wenn Besuch in unsere Wohnung tritt, und voll Freude auf Entdeckungsreise geht. Denn jedes Chichy hat seine Geschichte. Und erzählt von uns. 

Wir sind noch lange nicht fertig mit einrichten. Keine Angst.

Kategorien: Persönliches

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